Finanzlexikon Buchstabe I

Identitätsprüfungspflicht (identification control instruction): In Deutschland aufsichts-rechtliche Pflicht der Wertpapier-Dienstleistungs-Unternehmen, vor Durchführung eines Auftrags die Identität des Auftraggebers zu überprüfen und aufzuzeichnen. Auch Banken müssen bei Kontoeröffnung nach § 25a KWG die Identität des Antragstellers prüfen und dokumentieren. Dies wird von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht durch entsprechende Richtlinien in den Einzelheiten vorgeschrieben und überwacht.

Siehe Address Spoofing, Authentifizierungsgebot, Bankauskunft, Geldwäsche, Hawala, Konto, anonymes, Konto-Offenlegung, Kontosperre, Kundendaten-Informationspflicht, Nominee, Zahlungsverkehrsverordnung. Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 80 f. („Know Your Customer-Risikomanagement“), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 235 (Identitätsprüfung im Zuge geldwäscherechtlicher Anforderungen) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel „Querschnittsaufgaben“. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Inflation (inflation): Allgemein die Preissteigerungsrate einer Währung. Bei der EZB definiert als das mittelfristige Steigen der Preise nicht über 2 Prozent („an increase in the HICP of below but close to 2 percent over the medium term“). Damit ist eine messbare Grösse eingeführt; die EZB muss allfällige Überschreitungen genau begründen und aufzeigen, wann und wie sie auf diesen Wert wieder zurückkehrt, den Inflationserwartungen eine deutliche Grenze gesetzt und auch gesagt, dass seitens der EZB eine Deflation nicht hingenommen wird.

Freilich ist dieser Referenzwert kein Ziel, sondern eine Orientierungsgrösse. Siehe Ausrichtung, einzielige, Cost-Push-Inflation, Demand-Pull-Inflation, Demand-Shift-Inflation, Disinflation, Dividende, inflationsabhängige, Erdöl-Inflation, Fristentransformation, Geld, sittliches, Geldeingentumsrecht, Geldinondation, Geldmengen-Fetischismus, Geldnachfrage-Theorie, Geldpolitik, vorausschauende, Geldvertrauen, Goldglöckchen-Wirtschaft, Hypothekengewinnabgabe, Inflations-Ausgleich, Inflationsrisko, Kaufkraft, Kaufkraft-Abfluss, Kerninflation, Menükosten, Mundell-Tobin-Effekt, Nominalwertprinzip, Preisindex der Lebenshaltung, Qualitätsänderungen, Quantitätstheorie, Sparquote, Stagflation, Teuerung, Teuerungsdruck, sektoraler, Valorisationsklage, Warenhorte, Weginflationierung.

Vgl. zur Messung in Euroland Monatsbericht der EZB vom Oktober 1999, S. 39 sowie Jahresbericht 2003 der EZB, S. 16 ff. (grundsätzliche Darlegungen), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2004, S. 63 f. (Prognosen), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2005, S. 18 ff., Monatsbericht der EZB vom Mai 2005, S. 28 ff. (Einzelheiten zur Berechnung), Monatsbericht der EZB vom Mai 2008, S. 51 ff. (Aufschlüsselung der Inflation nach Sektoren; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Januar 2009, S. 41 ff. (höhere Inflationsrate bei Dienstleistungen gegenüber Waren erklärt; Übersichten), ), Monatsbericht der EZB vom September 2009, S. 60 ff. (Zusammenhang zwischen Konjunkturphase und Inflation; Übersichten; Literatur), Monatsbericht der EZB vom November 2009, S. 50 ff. (Steuern und Inflation), Monatsbericht der EZB vom Mai 2010, S. 111 ff. (Ursachen eines Inflationsschubs rückschauend aus der Zeit 1965 bis 1985; viele Übersichten und Literaturverweise). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Inflation, galoppierende (galloping inflation): Ein rasches und starkes Ansteigen der Preise (= Verlust des Geldwerts). Für ein Gut im Wert von 1 Denar im Römerreich des Jahres 301 hatte man im Jahr 400 bereits 6 600 000 (kein Schreibfehler!) Denare zu zahlen. Eine galoppierende Inflation beschleunigt sich leicht und führt dann zur Hochinflation, auch Hyperinflation genannt. So kostete der USD 1919 in Deutschland noch 7,25 Mark, im Frühjahr 1923 schon 4,2 Billionen Mark.

Anfangs 1923 war der Preis für 1 Liter Milch auf 2 000 Milliarden Mark gestiegen, das Porto für einen Brief kostete mehrere Millionen Mark; über siebzehnhundert Druckereien waren damit beschäftigt, neue Geldscheine für die Reichsbank herzustellen. Siehe Barfrankatur, Behelfsgeldschein, Ersatzmünzen, Geld, sittliches, Hochinflationsland, Kassenschein, Münzsystem, römisches, Notgeld, Talent. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Inflationsrate (inflation rate): Der Zuwachs an Geldwertverschlechterung (als erste Abteilung der Bewegung in der Zeit) innert eines bestimmten Zeitraums. Siehe Break-Even-Inflationsrate, Inflation, Inflationsrisko. Vgl. Monatsbericht der EZB vom März 2009, S. 13 (Inflationsrate in verschiedenen Staaten 2000–2008), Monatsbericht der EZB vom September 2009, S. 60 ff. (Zusammenhang zwischen Konjunkturphase und Inflationsrate; Übersichten; Literaturverweise), Jahresbericht 2009 der EZB, S. 95 (Inflationsrate in den EU-Staaten, die nicht Mitglied der Währungsunion sind). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Institut (institute): In der Umgangssprache jede auf Finanzmärkten handelnde Wirtschaftseinheit, in erster Linie Banken und Versicherungen. In der Sprache des deutschen Aufsichtsrechts der Oberbegriff für Kreditinstitute und Finanzdienstleistungsinstitute; vgl. die Legaldefinition in § 1, Abs. 1b KWG. Hierzu zählen auch Börsenmakler und Stromhändler. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Interbanken-Geldmarkt auch nur Interbankenmarkt und Wholesalemarkt (interbank money market): Der Handel mit Zentralbankgeld innert der Banken. Dieser dient dem Ausgleich unvorhergesehener täglicher Schwankungen im Bargeldbedarf einzelner Institute, der Überbrückung von absehbaren Liquiditäts-Engpässen bzw. Zentralbankgeld-Überschüssen in der Zukunft sowie auch dem Ziel, längerfristige Positionen durch kürzerfristige Kontrakte zu finanzieren. Rund ein Drittel der Kredite deutscher Banken sind Darlehn am Interbankenmarkt.

Zeigt dieser Markt schwere Störungen an (wie im Zuge der sich zu einer internationalen Finanzkrise ausgeweiteten Subprime-Krise), so deutet dies auf eine systemische Krise hin. Banken misstrauen diesfalls der Zahlungsfähigkeit ihrer Geschäftspartner, letztlich der Werthaltigkeit der in der Bilanz ausgewiesenen Aktiva, deren genaue Einschätzung hinsichtlich des Risikos infolge der seit etwa 2000 kräftig gewachsenen Möglichkeit des Kreditrisikotransfers immer schwieriger geworden ist.


Siehe Bankengeldmarkt, EURIBOR, Garantiefonds, Geldmarkt-Segmente, Handelssystem, alternatives, Krise der Sicherheiten, Kontrahentenrisiko, Kreditrisiko, Liquiditätsrisiko, Subprime-Krise, Tagesgeld, Vertrauen, Vollzuteilung. Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2000, S. 49 ff. (Tendenzen der Interbankbeziehungen deutscher Institute), Monatsbericht der EZB vom August 2003, S. 48 ff. (dort auch Analyse der Entwicklung im Eurogebiet und Formeln zur Berechnung des Preises), Monatsbericht der EZB vom Februar 2008, S. 74 (Abbildung der Geschäfte 2000 bis 2007), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 27 (Interbankenmarkt in der Finanzkrise; Übersichten) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel „Wirtschaftliches Umfeld“, Monatsbericht der EZB vom September 2010, S. 22 ff. (Aufschlüsselung der Geschäfte auf dem Interbankenmakrt seit 2004; Übersichten). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Interbank-Überweisungssystem (interbank funds transfer system): Der Zahlungsverkehr zwischen den Banken sowie auch zwischen Banken und Zahlungs-Dienstleistern (institutions offering payment services) in den verschiedenen Zahlungsverkehrssystemen. Die entsprechenden Bewegungen werden von der EZB erfasst und veröffentlicht. Siehe Zahlungsverkehrsstatistik. Vgl. Monatsbericht der EZB vom Januar 2008, S. 28 f. (hier auch Erläuterungen zur Richtlinie 2007/64/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. November 2007 über Zahlungsdienste im Binnenmarkt [Payment Services Directive, PSD] und Übersicht des Überweisungsverkehrs 2000 bis 2007). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

International Bank Account Number, IBAN: Weltweit standardisiertes Kontonummer-Format mit maximal 34 Stellen; die ersten vier Stellen enthalten den Ländercode (etwa: CH für die Schweiz) und die Prüfziffer (39), es folgt vierstellig das Finanzinstitut (etwa: 0070 für die Zürcher Kantonalbank) und dann die Kontonummer. Die IBAN dient der vereinfachten Abwicklung des Zahlungsverkehrs, vor allem im grenzüberschreitenden Bereich. Nach den Plänen der Europäischen Kommission soll auch bis 2013 im Überweisungsverkehr innert Europas die IBAN zur Pflicht werden.

Seit November 2009 müssen Banken in Deutschland bei Überweisungen nicht mehr prüfen, ob die Kontonummer zum Empfängername passt. Dies geschah in Anpassung der Zahlungsdienstrichtlinie der EU (Payment Services Directive, PSD), die durch ein Umsetzungsgesetz vom 9. Juli 2009 in deutsches Recht eingebettet wurde. Wohin eine Überweisung geht, richtet sich allein nach der Kontonummer. Siehe Bank Identifier Code. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Internetbank (trade name Internet bank; click and mortar bank): Herkömmliche Bank mit Filialsystem, die einen Teil der Geschäfte entweder direkt oder über eine eigens dazu gegründete Tochter durch eine entsprechend gestaltete Seite (Internetschalter, transactional website) auch über das Internet abwickelt. Das Internet-Tochterunternehmen hat hier die Möglichkeit, bei Engpässen und bei gewissen Geschäften auf das Filialsystem des Mutterunternehmens (parent company) zurückzugreifen.

Siehe Automaten-Abhebegebühr, Bank, Direktbank, Mobile Banking, Homebanking, Infrastructure Providing, Metcalfe-Regel, Moonlight Banking, , Online-Banking, Onliner, Phishing, Sofa-Banking. Siehe zur Ertragslage Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2006, S. 24 f. (mit Übersichten). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.