Finanzlexikon Buchstabe K

Kantonalbank (cantonal bank): In der Schweiz ein Institut, das sich bis anhin ganz oder mehrheitlich im Eigentum eines Kantons befindet, und für welches der Kanton unbeschränkt haftet. Sämtliche Kantonalbanken sind dem eidgenössischen Bankengesetz (BankG) und der umfassenden Aufsicht der Eidgenössischen Bankenkommission (EBK) unterstellt.

Kapital (capital): Jede Summe Geldes überhaupt (Geldkapital; monetary capital). Geld, das allgemein zur gewinnbringenden, zinsträchtigen Anlage bestimmt ist (Erwerbskapital; earning capital). Geld, das zur Investition, nämlich zur Errichtung, Erweiterung oder Verbesserung von Sachgütern, die zur Erzielung von künftigen Erträgen dienen (= Sachkapital, Realkapital, Kapitalstock), verwendet wird (Anlagevermögen; invested capital).

Schicht von Personen und Unternehmen, die Verfügungsgewalt über Erwerbskapital und/oder Eigentum an Sachkapital innehat (Finanzkapital; capital economics: ein soziologischer Begriff). Eigenmittel eines Unternehmens (Firmenkapital; equity), oft unterteilt in Kernkapital (wie einbezahltes Geld, offene Rücklagen) und Ergänzungskapital (wie nicht realisierte Reserven); vgl. für Deutschland die genau Aufzählung der einzelnen Posten in § 10 KWG.

Siehe Entität, Finanzmittel, Finanzoligarchie, Formalkapital, Gebrauchsgüter, Investition, Kapitalangebot, Kapitalintensität, Kapitalstock, Leasinggeschäft, Misochrematie, Vermögen, Zinsallkokations-Funktion, Zwangswandelanleihe. Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2002, S. 43 (zum Begriff Kernkapital), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 48 (neue Regeln für Kernkapital und ergänzungskapital).

Kapital, verfügbares (disposable capital): Begriff aus Solvency-II, nämlich die Differenz zwischen marktentsprechend bewertetem Vermögen einerseits und gemäss den aufsichtsrechtlichen Vorschriften bewerteten Verbindlichkeiten einer Versicherung. Das verfügbare Kapital wird dabei in drei Qualitätsklassen (Tier 1, Tier 2 Insurance Tier 3) unterteilt. Siehe Erwartungs-Rückstellung, Solvenzbilanz. Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 51 (nähere Erläuterungen; Zuordnungsmerkmale der jeweiligen Qualitätsklasse).

Kapitaleinkommen und Kapitaleinkünfte (income upon investments): Allgemein jeder Gewinn aus einer Investition, im Regelfall in Form von Zins oder Dividende. Kapitaleinkommen unterliegt regelmässig einer besonderen Abgabe, nämlich der Kapitalertragssteuer (withholding tax, capital yield tax). Siehe Erfolg, Ertrag, Investition, Kapital, Kapitalertragssteuer-Absetzbetrag, Profitrate, Rendite, Vermögen, Vermögenswert.

Kapitalerhaltungspuffer (capital conservation buffer): Gemäss Basel-III müssen Banken ab 2016 einen besonderen Puffer zur Abfederung in Stresszeiten allfällig auftretender Verluste vorhalten. Dieser muss aus hartem Kernkapital bestehen; der Puffer darf allerdings in Krisenzeiten ausnahmsweise unterschritten werden. Der Kapitalerhaltungspuffer wird anfänglich 0,625 Prozent der Aktiva betragen und schrittweise bis 2019 auf 2,5 Prozent erhöht. Siehe Aktiva-Minderung.

Kapitalflucht (capital flight; flight from the currency): Investoren bevorzugen in grossem Stil (to a great extent) Anlagen im Ausland, weil sie für Investitionen im dortigen Währungsgebiet bessere (langfristige) Erwartungen hegen (generally in defiance of the political and/or economic conditions in their own country). Privathaushalte und Unternehmen wechseln heimisches Geld in ausländisches um, da sie kein Vertrauen mehr in den Geldwert haben.

Siehe Altersquotient, Auslandsinvestitionen, demographiebedingte, Demographieverfestigung, Dollarisierung, Euroisierung, Fünfhunderteuro-Schein, Geldvertrauen, Kapitalbewegungen, internationale, Nebenwährung, Round Tripping, Überalterung, Vorschatten-Effekte. Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2005, S. 43 f.

Kapitalgarantie (capital-back guarantee): Wenn nicht anders definiert bei Zertifikaten die vertragliche Festlegung, dass der Käufer des Zertifikats in jedem Falle den Kaufpreis für das Papier bei Fälligkeit zurückerhält. Freilich muss er schlimmstenfalls auf eine Verzinsung verzichten; er hat aber dafür die Chance, an günstigen Veränderungen des Basiswertes teilzuhaben. Siehe Kapitalgarantie.

Kapitalkosten-Effekt (capital cost effect): Die Tatsache, dass eine Erhöhung der Refinanzierungskosten der Banken von diesen an die Kunden weitergegeben werden (müssen). Steigende Zinsen für Darlehn aber führen über kurz oder lang zu einem geringeren Wachstum der Kredite und damit zu einer Dämpfung der kreditfinanzierten Nachfrage, in erster Linie bei betrieblichen Investitionen sowie im Wohnungsbau. Bei einer Senkung der Zinsen kann nicht unbedingt auch mit zusätzlichen Investitionen gerechnet werden, weil hier in erster Linie (und bei einem an sich schon niedrigen Zinsniveau zumal) Erwartungen hinsichtlich des Gewinns die entscheidende Rolle spielen. Siehe Bremsweg, geldpolitischer.

Kapitalmarktzins (capital market interest): Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen. Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 17.

Karten-Allianz (card alliance): Die Absprache zweier oder mehrerer Ausgeber von Karten über verschiedene, vor allem die gegenseitige Anerkennung betreffende Geschäftsfelder. In Bezug auf Europa der Vorschlag, die zersplitterte Karten-Landschaft in Einklang zu bringen, um den beiden international führenden US-Anbietern (Visa und MasterCard) eine gleichwertige Karte an die Seite zu stellen. Siehe Cobranding-Karte, Interchange Fee, EMV-Richtschnur, Kundenkarte, Payez Mobile, Pay-Green-Initiative, Single European Payment Area, Rahmenwerk für das Europäische Kartengeschäft. Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2006, S. 93 ff. (derzeitiger Stand bei Chipkarten; künftige Entwicklung; wichtige Übersichten), Jahresbericht 2007 der EZB, S. 172 (Überwachungsrahmen für Kartenzahlungs-Systeme).

Karten-Echtheitsprüfung (mutual authentification): Prüfung im Chipumfeld einer Geldkarte. Dabei wird das Kryptogramm der ausgebenden Bank (bzw. dem Prozessor) zugeleitet, die es durch den Chip mit ihrer Zentraldatei (ihrem Autorisierungs-System) abgleicht. Siehe Ablehnung, Community Card, Computerzahlung, Chipkarte, EFTPOS, Geld, elektronisches, Guilloche, Karte, multifunktionale, Karteneinsatzdatei, Netzgeldgeschäft, Sparbuch, Ticketing, electronic.

Karteneinsatzdatei (activity file): Gespeicherte Transaktionsdaten für ein Kartenkonto innert eines Zeitraums. Bei „auftrags einer Karten ausgebenden Bank“ ausgeführten Leistungen (on-behalf services) erfolgt vor jeder Autorisierung eines Geschäftes ein Abgleich mit dieser Datei. Dadurch soll sichergestellt werden, dass der seitens der jeweiligen Karten ausgebenden Bank vorgegebene Verfügungsrahmen (die Kreditlinie) eingehalten wird. Siehe Chipkarte, Computerzahlung, Firmenkreditkarte, Geld, elektronisches, Geldkarte, Karte, multifunktionale, Karten-Echtheitsprüfung, Netzgeldgeschäft, Pay-Green-Initiative, Pay per Touch, Prozessor, Radio Frequency Identification.

Kartengeld (map copy-fee): Frühere Gebühr, die bei der Ausfertigung einer topographischen Karte seitens der Kartenkammer (Behörde, die Flurpläne verwahrte: heute Fluramt oder Grundbuchamt; land registry office) zu zahlen war.

Kartenleistungsbeleg (sales slip, charge slip, sales draft, sales ticket): Der Inhaber einer Geldkarte bekommt als Nachweis seiner getätigten Transaktionen gewöhnlich vom Terminal einen Beleg in Papier. Falls der Kunde einen von Hand erstellten bzw. von einer Registrierkasse gedruckten Beleg erhält, so ist dieser regelmässig zwecks Anerkennung (Authentifizierung; authentification) des gebuchten Betrags von ihm zu unterschreiben. Siehe Lastschriftverfahren, elektronisches, Pay-Green-Initiative.

Kassageld und Kassengeld (cash outpayment; payment receivable; money debt; money accepted;): Geld, das (bis zu einer gewissen Höhe) an der Kasse (checkout counter) bei einigen (Lebensmittel)Filialisten der Kunde mit einer Karte sich auszahlen lassen kann. In älteren Dokumenten ein Betrag, der ordnungsgemäss in eine (öffentliche) Kasse (public banking account) einzubezahlen ist. Der einer (öffentlichen) Kasse (treasury: the place where public revenues are deposited) geschuldete Betrag. Sorten, die von einer (öffentlichen) Kasse oder im kaufmännischen Verkehr zur Zahlung angenommen wurden.

Konjunkturpolitik (business cycle policy, [economic] stabilisation policy): Massnahmen der staatlichen Wirtschaftspolitik, um glättend auf den Konjunkturzyklus einzuwirken und dadurch wirtschaftliches Wachstum zu ermöglichen sowie auch zu verstetigen. Diese haben aber nur dann Aussicht auf Erfolg, wenn die Masstabeigenschaft des Geldes unverändert bleibt. Konjunkturpolitik ist allemal Sache der von der Mehrheit im Parlament (parliamentary majority) getragenen Regierung.

Sie darf aus verfassungsrechtlichen Gründen (principles of constitutional law) nicht in die Hände einer von der parlamentarischen Kontrolle unabhängigen Zentralbank gelegt werden. Zudem hat die Geldpolitik auch nicht die Instrumente, um Konjunkturpolitik gestalten zu können. Siehe Ausrichtung, einzielige, Fiskalpolitik, Geldpolitik, Poltergeister, Preisniveausteuerung.

Konjunkturzyklus (business cycle): Breit angelegte, wiederkehrende mittelfristige Schwankungen der wirtschaftlichen Tätigkeit. Die (mit vielen Problemen verbundene) empirische Erfassung der Reihenfolge der Aufs und Abs ist für die Geldpolitik sehr wichtig. Siehe Aktienkurs-Gleichlauf, Erwartungen, unangemessene, Fiskalpolitik, Konjunkturdiagnose, Kreditzyklus, Krise, Krisen-Vorschatten, Prozyklizität, Turnaround, Wirtschaftsindikatoren, wichtige, Zwei-Säulen-Prinzip.

Vgl. Jahresbericht 2001 der EZB, S. 56 f., Monatsbericht der EZB vom November 2001, S. 45 ff. (ausführliche Darstellung), Monatsbericht der EZB vom Juli 2002, S. 41 ff., Monatsbericht der EZB vom Juli 2003, S. 25 f., Monatsbericht der EZB vom September 2003, S. 50 (Bericht über Fortschritte und Mängel bei der Daten-Erfassung), Monatsbericht der EZB vom August 2009, S. 68 ff. (Schwierigkeiten bei der Erfassung der Konjunktur-Indikatoren; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom September 2009, S. 60 ff. (Zusammenhang zwischen Konjunkturphase und Inflation; Übersichten; Literatur), Monatsbericht der EZB vom November 2009, S. 105 ff. (Konjunkturverläufe historisch und in Bezug auf Teile der Welt; viele Übersichten).

Kontensperre auch Kontensperrung (account blocking): Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht kann gemäss § 6a KWG bei Verdacht der Terrorismusfinanzierung oder im Falle unerlaubt betriebener Finanzdienstleistungsgeschäfte die Blockierung entsprechender Konten verfügen. Siehe Kontenoffenlegung. Vgl. Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 208 f. (Konten eines Studenten syrischer Herkunft mit deutschem Pass werden eingefroren; die Klage des Mannes gegen die Sperrung wurde vom zuständigen Verwaltungsgericht abgewiesen [diese Tatsache noch nicht im Bericht der Bafin]) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel „Querschnittsaufgaben“.

Kontensuche (account search): Bei der Ermittlung nach unbekannten Konten von Erblassern oder betreuten Personen bieten Verbände der Kreditwirtschaft teilweise Hilfe. Eine solche kann aber nicht von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht gefordert werden, die im Zuge der Kontenoffenlegung alle Konteninhaber ausfindig machen könnte. Siehe Kontenoffenlegung. Vgl. Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 195.

Konto, anonymes (anonymous account): Abrechnungsverkehr mit einer Bank, ohne dass dieser die Identität des Geschäftspartners bekannt ist, in der Regel in Form eines Nummernkontos geführt. In Deutschland sind solche Konten bis anhin nicht erlaubt. Siehe Address Spoofing, Authentifizierungsgebot, Geldwäsche, Identitätsprüfungspflicht, Konto-Offenlegung, Kontosperre, Kundendaten-Informationspflicht, Nominee, Tafelgeschäft.

Konto, falsches (wrong account): Ein durch die Vorlage falscher oder gefälschter Unterlagen bei einer Bank eröffnetes Konto. Oft werden solche Konten auf den Namen tatsächlich lebender Personen ohne deren Wissen eingerichtet. Sie dienen vor allem der Geldwäsche oder anderen strafbaren Handlungen. Erfahrungsgemäss werden entsprechende Konten baldig (nach Abschluss der unzulässigen Geschäfte) wieder gelöscht.

Im Zuge des europaweiten Datenabgleichs (data collation) der Steuerbehörden und einer öffentlichen Jagd auf Steuersünder (tax evaders) stieg auch in Deutschland die Zahl der falschen Konten an. Sie wurde zu Jahresbeginn 2010 mit fünf Prozent angegeben. In Internet-Foren werden dazu Ratschläge gegeben und Erfahrungen ausgetauscht. Siehe Address Spoofing, Authentifizierungsgebot, Bankauskunft, Financial Action Task Force on Money Laundering, Geld, schmutziges, Kontosperre, Nominee, Zahlungsverkehrsverordnung.

Konto, mitnehmbares (portable account): Die Forderung, dass bei Wechsel eines Kunden von einer Bank zu einem anderen Institut die Kontonummer an den neuen Anbieter übertragen werden muss. Die heute in Deutschland üblichen Kontonummern sind nach unterschiedlichen Systematiken vergeben. Die Übertragung in ein anderes numerisches System ist deshalb so gut wie unmöglich bzw. würde nur zu äusserst hohen Kosten möglich sein.

Man verlangt ja auch von der Post nicht, dass bei Umzug eines Kunden in eine andere Stadt die bisherige Strasse und Hausnummer beibehalten werden muss. Bei näherem Bedacht erweisen sich diesbezügliche Ansinnen, von Verbraucherverbänden (consumers‘ associations) immer wieder in die Öffentlichkeit getragen, als wirklichkeitsfremd.

Konto für Jedermann (account for everyone): Von den Banken in Deutschland 1995 eingegangene Verpflichtung, jeder Person grundsätzlich auf Wunsch ein Girokonto zur Verfügung zu stellen, das zumindest die Entgegennahme von Gutschriften, Bareinzahlungen und Barauszahlungen sowie die Teilnahme am Überweisungsverkehr ermöglicht. Siehe Demarketing, Festgebühr, Kunde, fauler, Unbanked.

Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 73 f. (kein Anspruch auf Zweitkonto), Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 193 (Konto ist durch ständige Pfändungen blockiert), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 204 (zwingende Gründe für die Verweigerung der Einrichtung eines Kontos).

Kontoführungsgebühr oft nur Kontogebühr (activity fee, account maintenance fee): Von einer Bank in Rechnung gestellter Betrag als Ausgleich für die Kosten, die das Institut durch die Verbindung zum Kunden entstehen und damit gleichzeitig auch um umsatzlose Konten (inoperative accounts) abzuwehren. Für die Institute sind diese Gebühren eine dauerhafte, so gut wie gleichbleibende und daher vorhersehbare (predictable) Einnahmequelle (revenue stream), aus der ein Gutteil der Fixkosten gedeckt werden kann. Siehe Aufschreibgeld, Bearbeitungsgebühr, Festgebühr, Kunden.

Kontohopper (account hopper): Im Jargon der Bankenbranche Kunden, die nur für kurze Zeit ein Konto bei einer Bank einrichten (meistens nur, um bei diesem Institut günstige Leistungen in Anspruch nehmen zu können), danach aber das Konto wieder auflösen und zu einer anderen Bank wechseln. Solche „mobile Kunden“ verursachen hohe Kosten, die durch Quersubventionierung von allen mitbezahlt werden müssen. Siehe Chasing Winner, Least-Cost Customer, Noise Traders, Scalper, Switcher, Zinsschnäppchenjäger.

Kontokorrentkredit genannt (bank accomodation, open credit, agreed overdraft, credit in current account, advance on current account): Allgemein eine laufende Rechnung zwischen zwei Vertragspartnern, wobei diese sich ihre gegenseitigen Forderungen stunden, in regelmässigen Abständen gegeneinander aufrechnen und den Saldo dann durch Zahlung begleichen. Im besonderen seitens der Bank die Überlassung von Geld an einen Geschäftskunden (bei Privatkunden spricht man eher von Dispositionskredit), ohne dass dieser jeweils einen Darlehnsantrag stellen muss. Über das Konto kann der Kunde je nach Bedarf in wechselndem Umfang bis zu der vereinbarten Höchstgrenze verfügen.

Die Abrechnung der Zahlungseingänge und Zahlungsausgänge erfolgt in bestimmten Zeitabständen (meist monatlich) zusammen mit der Zinsberechnung. – Eine Überziehung des Kontos ist in der Regel günstiger als die Inanspruchnahme einer Kreditlinie auf dem Wege einer Kreditkarte. Siehe Buchkredite, Dispositionskredit, Epoche, Rahmenkredit, Rechnung, laufende, Überziehung, Überziehungsentgelt. Vgl. zur Höhe der Überziehungsentgelte den Anhang „Statistik des Euro-Währungsgebiets“, Rubrik „Finanzmärkte“, Unterrubrik „Zinssätze für Kredite an private Haushalte“, Spalte „Überziehungskredit“ im jeweiligen Monatsbericht der EZB.

Kontosperre (account blocking): Seit November 2003 hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht gemäss § 6a KWG das Recht, Banken (Zahlungs)Aufträge betreffend bestimmter bei ihr unterhaltenden Konten zu untersagen. Diese Befugnis wurde im Zuge der Terrorismus-Finanzierung eingeführt. Siehe Address Spoofing, Financial Action Task Force on Money Laundering, Geldwäsche, Kontenoffenlegung, Konto, falsches, Kundendaten-Informationspflicht. Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 72, Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 216 (Anfragen von Strafverfolgungsbehörden) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel „Querschnittsaufgaben“.

Kontostands-Abfrage (balance inquriy): Von Banken angebotene Möglichkeit, die (letzten) erfolgten Zahlungsvorgänge (activities of account) und den Kontostand (account position) über einen Datentransportweg (data highway) wie Telephon, Fax, Internet oder Mobile abzufragen oder über eine Karte an einem Geldautomaten abzurufen, dann häufig auch mit in der Regel gebührenpflichtiger (chargeable) Ausgabe in Papierform durch einen Kontendrucker (auch: Kontodrucker; print output) verbunden. Siehe Auszug, Geschäftsstelle, vollautomatische.

Kreditauskunft (credit report): Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter die im Zuge der Bank Lending Survey bei den Banken erfragten Grössen. Dies sind neben den Kreditbedingungen auch Merkmale wie Kreditnebenkosten (verschiedene Arten von Gebühren wie Bereitstellungsprovision für revolvierende Kredite, Verwaltungsgebühren, Kosten für Nachforschungen, Garantien und Kreditversicherung), Sicherheitserfordernisse, Zusatzvereinbarungen, bei Wohnungsbaukrediten die Beleihungsquote und weitere Details. Die entsprechenden Daten werden im Rahmen der Bank Lending Survey von der EZB veröffentlicht. Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2009, S. 16 (Aufzählung in Fussnote 4), S. 27 (Zusatzfragen seit Herbst 2007).

Kreditbanken (commercial banks): In der Statistik der Deutschen Bundesbank der Oberbegriff von Grossbanken, Regionalbanken, sonstige Kreditbanken sowie Zweigstellen ausländischer Banken. Siehe Bank, Direktbank, Finanzdienstleistungsinstitut, Finanzinstitut, monetäres, Internetbank, Kreditinstitut. Vgl. den Statistischen Teil des jeweiligen Monatsberichts der Deutschen Bundesbank, Rubrik „Banken“.

Kreditinstitut (financial institution, credit institution): In der Umgangssprache sehr weit gefasster Begriff, in etwa den Ausdrücken Bank (und teilweise auch Finanzdienstleister) entsprechend. Innert des ESZB gesamthaft bezieht sich der Begriff immer auf ein Institut gemäss der Definition in Artikel 1 der Ersten Bankrechtskoordinierungs-Richtlinie der EU (2000/28/EC vom 18. September 2000), nämlich „ein Unternehmen, dessen Tätigkeit darin besteht, Einlagen oder andere rückzahlbare Gelder des Publikums (einschliesslich der Erlöse aus dem Verkauf von Bankschuldverschreibungen an das Publikum) entgegenzunehmen und Kredite für eigene Rechnung zu gewähren“ (an undertaking whose business is to receive deposits or other repayable funds from the public and to grant credits for its own account), oder elektronisches Geld ausgibt (which issues means of payment in the form of electronic money).

In Deutschland sind nach der Definition des § 1 KWG diejenigen Unternehmen Kreditinstitute, die bestimmte Bankgeschäfte gewerbsmässig betreiben (aufgezählt sind vor allem Einlagen-, Kredit-, Diskont-, Effekten-, Depot-, Investment-, Garantie-, Emissions-, Geldkarten-, Netzgeld- (Computergeld) und Giro-Geschäfte sowie der Ankauf von Forderungen vor Fälligkeit), sofern der Umfang dieser Aktivitäten einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb erfordert. Siehe Bank, Finanzdienstleister, Finanzdienstleistungsinstitut, Finanzinstitut, monetäres, Institut, Kreditbanken. Vgl. Monatsbericht der EZB vom April 1999, S. 47.

Kreditkarte (credit card): Karte, bei der eine vom Karteninhaber genutzte Leistung erst nach dem Bezug verrechnet wird, in der Regel mit einer Monats-Abrechnung (pay-later-Prinzip). Daneben werden auch Karten ausgegeben, die mit einer eigenständigen Kreditlinie ausgestattet sind (delayed debit card). Im Vergleich zur Debitkarte ist die Gebühren-Belastung bei der Kreditkarte höher. Auch ist in der Regel der Zins bei Inanspruchnahme eines Kredits über die Karte höher als bei einem Dispositionskredit auf einem Girokonto.

Emittenten solcher Karten gelten in Deutschland als Finanzunternehmen. Sie bedürfen einer Erlaubnis und unterliegen der Aufsicht; siehe § 1, Abs. 3, № 4 KWG. Siehe Auszahlung, Card Verification Value, Chipkarte, Geld, elektronisches, Firmenkreditkarte, Geldkarte, Interchange Fee, Karte, multifunktionale, Kreditkartenfiasko, Pay-Green-Initiative, Pay per Touch, Prozessor, Überziehung, Verbraucherbeschwerden. Vgl. Jahresbericht 2002 der BaFin, S. 84 hinsichtlich der Erlaubnis, Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2006, S. 93 ff. (ausführliche Darstellung der Bezahlverfahren; viele Übersichten), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 212 f. (Kundenbeschwerden wegen Sperrung der Karten von Kontoinhabern der Direktbanken bei den Geldausgabeautomaten der Sparkassen und Volksbanken).

Kreditkartenfiasko (credit card fiasco, credit card collapse): In den USA besass im Herbst 2008 jeder Bürger durchschnittlich vier Kreditkarten. Auch an einkommensschwache Kunden (low-income customers) mit geringer Bonität wurden grosszügig Karten vergeben. Im Verfolg der sich zur Finanzkrise ausgeweiteten Subprime-Krise kam es dann massenweise zu sehr hohen Kreditkartenschulden (credit card debts). Die auch im Kreditkartengeschäft (credit car business) tätige grösste US-Sparkasse Washington Mutual (WaMu) in Seattle (Bundesstaat Washington) musste bei Karten eine Ausfallrate von 45 Prozent buchen.

Sie stand im September 2008 nicht zuletzt auch deswegen vor dem Ruin, und wurde zu einem Schnäppchenpreis (bargain price) von der Bank J.P. Morgan Chase (das zweitgrösste US-Geldinstitut nach der Bank of America) übernommen. Aber auch die Bank of America musste bis Herbst 2008 knapp 3 Mrd USD an Wertberichtungen wegen geplatzter Kreditkartenschulden vornehmen. Die Kreditkartenschulden in den USA lagen nach der Statistik der US-Zentralbank Ende Oktober 2008 bei 951 Mrd USD. Verlässliche Schätzungen gingen davon aus, dass davon mehr als 400 Mrd USD auf Wertpapierkäufe mittels Kreditkarte entfielen.

Soweit die Ausgeber der Karten das Ausfallrisiko über Verbriefung weitergegeben hatten (nach verlässlichen Schätzungen immerhin 47 Prozent der Kreditkartenschulden), so führten diese toxischen Papiere zu Verlusten bei den Käufern der Verbriefungspapiere in der gesamten Welt, was die Finanzkrise weiter verschärfte. Bemerkenswert ist, dass sich die meisten Portfolios der verbrieften Forderungen nicht aus den Kreditkartenforderungen der Schuldner gesamthaft zusammensetzten. Vielmehr wurden (fast) nur Forderungen gegenüber bonitätsschwachen Schuldnern (bad debts, irrecoverable debts) verbrieft. Die einbringlichen Forderungen (lucrative debts) behielten die Ausgeber bzw. Banken in ihrer Bilanz. Siehe Karte, Kreditvergabe-Grundregel, Pay-Green-Initiative.

Kreditlinie (credit line, bank line): Der einer Wirtschaftseinheit von der Bank eingeräumte Kredit-Grenzbetrag, manchmal auch Kreditrahmen (credit limit) und Fazilität (credit facility) genannt. Bis zu dessen Erreichen können bei der Bank jederzeit Darlehn in Anspruch genommen werden (a commitment of the bank to provide funds at the request of the borrower. In return for this commitment, the borrower pays an additional fee. A credit line can be seen as an option to raise a loan on predetermined terms and conditions).

Man spricht dann oft auch (im besonderen bei Kreditlinien für Privatkonten) von einem Dispo(sitions)kredit. Solange aus der Kreditlinie noch keine Zahlung geleistet wurde, handelt es sich um eine ausserbilanzielle Position des Instituts. Sobald jedoch eine Kreditlinie vom Kreditnehmer tatsächlich in Anspruch genommen ist, so wird sie (wie jedes Darlehn) zu einer bilanziellen Position (item of the balance sheet). Seit Jahresbeginn 2008 gelten besondere Unterlegungsvorschriften, wenn Banken für Verbriefungen unwiderrufliche Kreditlinien an Zweckgesellschaften vergeben.

Siehe Abrufrisiko, Ausserbilanzgeschäft, Back-Up-Facility, Bankkunden-Profil, Darlehn, Borgkraft, Insolvenz, Kreditzusage, unwiderrufliche, Mittel, liquide, Puffer, Rückübertragungs-Klausel, Subprime-Krise, Überziehungsentgelt, Unterlegung. Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 219 f. (grosszügige interne Limite [internal limit that is too generous and that well exceeds the approved credit line] erhöhen die Gefahr einer missbräuchlichen Nutzung des Kontos).

Kreditqualität (credit quality): Wenn nicht anders definiert, die Bonität der Darlehnsnehmer einer Bank gesamthaft, gemessen am Wertberichtigungs-Bedarf (allowance for doubtful accounts receivable). Siehe Bonitätsrisiko, Credit Default Swap, Kredit, notleidender, Kreditereignis, Kreditkartenfiasko, Kredit-Punktbewertungsverfahren, Kreditvergabe-Grundregel, Kunde, fauler, Luftpapiere, Papiere, toxische, Pay-Green-Initiative, Risikoabteilung, Rating, Zahlungsmoral. Vgl. Monatsbericht der EZB vom März 2004, S. 39 ff.

Kreditrichtlinien (credit guidelines): Die innert einer Bank gültigen Regeln für die Vergabe von Darlehn. Diese bestehen in der Hauptsache aus schriftlich niedergelegten oder ungeschriebenen Anweisungen (unwritten rules) vor allem in Hinblick darauf, welche Art von Darlehn ein Institut für wünschenswert erachtet und welche nicht, welche geographischen Schwerpunkte zu setzen sind und welche Sicherheiten der Darlehnsnehmer beizubringen hat.

Im Rahmen der Bank Lending Survey werden Änderungen der Kreditrichtlinien von der EZB erfragt und entsprechend bewertet. Siehe Kreditrisiko, Kreditmediator, Kreditqualität, Kreditvergabe-Grundregel. Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2009, S. 16 (Bedeutung der Kreditrichtlinien), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Februar 2009, S. 31 (Bankkonditionen in Deutschland 2004 bis 2009).

Kundenberatung (customer advisory service): Bei einer Bank die Raterteilung an Kontoinhaber (account-holders) allgemein und bei (längerfristiger) Geldanlage im besonderen. Die Aufsichtsbehörden verlangen, dass hierbei Interessens-Konflikte (collisions of interests) zwischen den Kunden und dem Institut sowie zwischen verschiedenen Kunden durch organisatorische Vorkehrungen (etwa. Compliance-Beauftragter) möglichst gering gehalten werden.

Siehe Abschottung, Beobachtungsliste, Call Centre, Chinese Wall, Corporate Governance, Due Diligence, Insider, Mitarbeiterleitsätze, Need-to-know-Prinzip, Organkredite, Regel 404, Service Line, Sperrlisten, System Securities Watch Application (SWAP), Transaktionsüberwachung, Verhaltenskodex, Wall Crossing, Wohlverhaltensregeln. Vgl. Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 131 (schwerpunktmässige Prüfung der Kundenberatung) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin.

Kundendaten-Informationspflicht (duty of customer information): In Deutschland haben gemäss § 24c KWG Banken sämtliche Kundenstamm- und Bewegungsdaten zum automatisierten Abruf bereitzuhalten. Nach der 2005 in Kraft getretenen Zinsinformationsverordnung (ZIV) müssen auch sämtliche Zinserträge in der EU automatisch dem dafür zuständigen Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) in Bonn gemeldet werden. Sensible Geldübertragungen (sensitive transactions) werden daher zunehmend in Bargeld vollzogen, bzw. man bedient sich eines Nominees oder eines Strohmanns.

Siehe Address Spoofing, Authentifizierungsgebot, Bankauskunft, Fluchtgeld, Geld, schmutziges, Geldwäsche, Hawala, Identitätsprüfungspflicht, Informationspflicht, Insider-Transaktion, Kontenoffenlegung, Kontensperre, Konto, anonymes, Nominee, Nummernkonto, Offshore-Finanzplätze, Outsourcing, Pasion-Falle, Zahlungsverkehrsverordnung, Zinsinformationsverordnung.

Kundenkarte (storecard): Karte, bei denen der Ausgeber gleichzeitig auch Erbringer der Leistung ist; in Deutschland vor allem von Kaufhäusern ausgegeben und lediglich dort zur Zahlung bzw. Gutschrift verwendbar. In der Regel enthalten diese Karten auch eine Kredtzusage: der Kunde kann bis zu einem jeweils festgelegten Betrag mit der Karte beim Ausgeber (dem Handelsunternehmen) einkaufen. Solche „zweiseitige Systeme“ in der Sprache der Aufsichtsbehörden unterliegen noch nicht der Genehmigung und Aufsicht. Bis anhin gibt es keine verlässlichen Angaben über den Umfang der Geschäfte mit Kundenkarten. Siehe Cobranding-Karte, Karten-Allianz, Pay-Green-Initiative. Vgl. Jahresbericht 2002 der BaFin, S. 84.