Finanzlexikon Buchstabe L

Landesbank (Land bank): In Deutschland ehemals Spitzeninstitut der Sparkassen mit öffentlich-rechtlichem Charakter; in den Statistiken der Bundesbank bis 1998 Girozentrale (giro centre) genannt. Von der Europäischen Kommission als wettbewerbsverzerrend gerügt, befinden sich die Landesbanken derzeit in einem Umwandlungsprozess. Bestehende Staatsgarantien (die sog. Gewährträgerhaftung) mussten bereits bis Mitte 2005 fallen.

Seither ist die Entwicklung im Fluss und schwer abschätzbar. Es ist nicht völlig ausgeschlossen, dass es in Deutschland über kurz oder lang zu nur einem einzigen Institut („Top-Landesbank“) kommt. Die SachsenLB war im Zuge der Subprime-Krise gezwungen, sich mit der Landesbank Baden-Württemberg zu verschmelzen. Lange Jahre hatten die Landesbanken im Sinne der jeweiligen Landesregierung Vorhaben zu Dumpingpreisen finanziert. Weil der Staat im Notfall einspringt, war die Bonität der Landesbanken erstklassig, und die Refinanzierung der Darlehn entsprechend günstig.

Die Vorstands- und Aufsichtsrats-Posten waren weithin mit Parteitreuen (factionists) besetzt. Beim Übergang von der privilegierten Staatsbank zu einem normalen Institut zeigten sich indessen die Schwächen im Gefüge der Landesbanken. Die Wesdeutsche Landesbank und die Landesbank Baden-Württemberg fuhren 2007 Verluste von jeweils rund 1 Milliarden Euro ein, die Bayrische Landesbank verlor 1,9 Milliarden Euro. In allen Fällen geschah eine Sanierung aus Steuermitteln. Das verhinderte, dass es zu einer grundlegenden Bereinigung der Geschäftstätigkeit dieser Institute kam.

Siehe Arrangierung, Blind-Taub-Verbindung, Geschäftsmodell-Analyse, Gewährträgerhaftung, Gigabank, Spitzeninstitut, Vertikalisierung, Westdeutsche Landesbank, Zentralkasse. Vgl. Jahresbericht 2002 der BaFin, S. 63 f., Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 23, S. 91 ff., Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 110 f. (Umstrukturierungs-Massnahmen), Jahresbericht 2005 der BaFin, S 25 f. (Beschreibung der verschiedenen Strategien der Landesbanken zur Anpassung an die neue Rechtslage), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 19 f. (auch Auslandsgeschäft rückt wieder vor), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 135 ff. (Umstrukturierung der WestLB; existenzgefährdende Zustände bei der HSH Nordbank). sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel „Aufsicht über Banken, Finanzdienstleistungs- und Zahlungsinstitute“. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Leitzins (prime rate, key interest rate, central rate): Zinssatz bzw. Zinssätze der Zentralbank, welche als Richtgrösse für Finanztransaktionen im allgemeinen Geltung besitzen. Innert des Eurosystems sind diesder Mindestbietungssatz für Hauptrefinanzierungsgeschäfte, der Zinssatz für die Spitzenrefinanzierungs-Fazilität sowie der Zinssatz für die Einlage-Fazilität. Vor der Umstellung vom Mengen- auf den Zinstender bei den Hauptrefinanzierungsgeschäften war der Mengentendersatz der wichtigste Leitzins. Diese Funktion kommt jetzt dem Mindestbietungssatz für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte der EZB zu.

Siehe Bankrate, Basiszins, Prime Rate, Tarnkappen-Politik, Zins(satz) Zinskorridor, Zinssatz, niedrig gehaltener, Zinstransmission. Vgl. die jeweiligen Daten im Anhang „Statistik des Euro-Währungsgebiets“, Anhang „Monetäre Statistik“ des jeweiligen Monatsbericht der EZB; dort auch die nachgestellten „Erläuterungen“ beachten; Monatsbericht der EZB vom Dezember 2008, S. 49 ff. (Zusammenhang zwischen Leitzins der EZB und die Kurzfristzinsen auf dem Markt während der Finanzkrise; Übersichten, Monatsbericht der EZB vom August 2009, S. 103 ff. (Wirkung einer Leitzinsänderung theoretisch und empirisch; Übersichten), Jahresbericht 2009 der EZB, S. 53 ff. (Weitergabe von Leitzinsänderungen theoretisch und empirisch; Übersichten). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

LIBOR (so auch im Deutschen; Abkürzung für London Interbank Offered Rate): Zinssatz, zu dem sich Banken untereinander Geld ausleihen, und zwar für unterschiedliche Fristen bis zu einem Jahr. Derzeit wird der LIBOR täglich für fünfzehn Fristen (time limits) und für zehn Währungen berechnet. Nach dem LIBOR richten sich weltweit zahlreiche variabel verzinsliche (variable interest bearing) Geschäfte der verschiedensten Art.


Im Herbst 2008 war der LIBOR für die Verzinsung von Finanzprodukten im Wert von 350 Mrd USD in allen Teilen der Welt massgebend. Die Höhe der an den LIBOR gebundenen Darlehn wurde zum gleichen Zeitpunkt sogar mit 7 000 Mrd USD angegeben. Der LIBOR ist damit einer der wichtigsten Eckwerte für die Finanzwelt. Siehe Basispunkt, EURIBOR, Reverse Floater, TED-Spread. Vgl. den Verlauf des Wertes des LIBOR im Anhang „Statistik des Euro-Währungsgebiets“, Anhang „Finanzmärkte“ im jeweiligen Monatsbericht der EZB. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Liquiditätsrisiko (liquidity risk): Allgemein die Gefahr, nicht genügend Liquidität zur Verfügung zu haben, um eingegangene Verbindlichkeiten zu begleichen. Durch eine genaue Finanzplanung lässt sich dieses Risiko mindern. Durch geeignetes Liquiditätsmanagement muss sichergestellt werden, dass ein Institut auch in Krisenzeiten zahlungsfähig bleibt. Bei Banken ein allfälliger Verlust vor allem daraus, dass eine grosse Zahl von Einlegern aus irgend einem Grund ihre Depositen gleichzeitig abhebt (Abrufrisiko), die Bank ihre kurzfristige Kreditaufnahme nicht oder nur zu gestiegenen Kosten über den Interbanken-Geldmarkt verlängern kann (Refinanzierungsrisiko); Grund dafür könnte beispielsweise die Herabstufung des Instituts durch Rating-Agenturen sein.

Allgemein sieht man ein höheres Liquiditätsrisiko bei sehr grossen, weitverzweigten Instituten. Seit etwa 2007 rechnet man dem auch die Gefahr bei, aufgrund aussergewöhnlicher Umstände Vermögenswerte nur mit einem Abschlag am Markt in Bargeld umwandeln zu können (Marktliquiditätsrisiko). Dieses Risiko zeigte sich besonders bei der im Gefolge der Subprime-Krise 2007 aufgetretenen Finanzkrise. Weltweit mussten sich viele Anleger (unter anderem auch Hedge-Fonds) plötzlich von Vermögenswerten trennen, was zu einem starken Preisverfall führte.

Siehe Bankengeldmarkt, EURIBOR, Gigabank, LIBOR, Liquiditätsformen, Liquiditätskrisenplan, Marktrisiko, Risiko, banktechnisches, Risiko, operationelles, Risikomanagement, Solvenzaufsicht, Terminrisiko. Vgl. Monatsbericht der EZB vom August 2002, S. 60 f., Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 115 f. (neue Regeln zum Liquiditätsrisiko-Management; ab Jahresbeginn 2008 sind die MaRisk auf Liquiditätsrisiken anzuwenden; Praxisstudien), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2008, S. 59 ff. (Steuerung der Liquiditätsrisiken), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 56 (Vorschriften für das Liquiditätsrisiko-Management), S. 133 (Prüfungen institutsinterner Risikomodelle), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 50 f. (Eckpfeiler für das Liquiditätsrisiko-Management). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Long-Short-Arbitrage (so auch im Deutschen gesagt): Allgemein das planvolle Ausnutzen von Marktunvollkommenheiten bei der Preisbildung von Vermögenswerten, insbesondere von Aktien. Bei Hedge-Fonds eine Strategie, bei der nach Ansicht der Manager unterbewertete Aktien gekauft (Long Strategie) und (im Gegensatz zum üblichen Aktienfonds) gleichzeitig überbewertete Aktien verkauft werden (Short Strategie). Man spricht auch von Pair Trades, sofern eine vermeintlich unterbewertete Position gekauft und eine als überbewertet erscheinende Position derselben Gattung im gleichen Umfang leerverkauft wird. Wenn ein Hedge-Fonds-Manager ein Positionsübergewicht auf der Kaufseite hält, dann spricht man von einem Long Bias; entsprechend heisst ein Übergewicht auf der Verkaufseite Short Bias. Siehe Hedge-Fonds-Strategien. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.