Finanzlexikon Buchstabe M

Mammon (mammon): Abschätzige Bezeichnung für Geld (ein [spät]hebräisches Wort) mit der Nebenbedeutung, dass dadurch ein Mensch vom rechten Denken und Fühlen abgebracht und vom Geld gleichsam versklavt werde. Im Neuen Testament bezeichnet Jesus an verschiedenen Stellen den Mammon gleichsam als den Gegenpol zu Gott.

Im engeren Sinne unredlich erworbenes Geld (pelf) auch hier mit der Nebenbedeutung, dass dieses die Habgier (greed, cupidity) steigere sowie das Verhalten eines Menschen unsittlich steuere und bestimme. Siehe Actus-purus-Grundsatz, Allmacht-Doktrin, Ausgangstatsache, ökonomische, Geldethik, Geldfunktionen, Geldrechenhaftigkeit, Geldstolz, Monetarisierung, Pantheismus, monetärer, Ungüter. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Managed Account (so auch im Deutschen gesagt): Allgemein eine Geldanlage, bei der eine Bank die Einlagen der Kunden zwar selbst (buchhalterisch) verwaltet, jedoch bei einem anderen Institut führen lässt. Damit ist ein erhöhtes Risiko verbunden. Siehe Auslagerung, Insourcing, Kreditfabrik, Outsourcing. Vgl. Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 127 f. (Betrugsfall Phoenix: auch von Sonderprüfung der BaFin nicht erkannt), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 129 (Urteile im Betrugsfall Phoenix), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 177 (Auslagerung bei Fondsgesellschaften; Auslagerung in einen Drittstaat). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Marktliquiditätsrisiko (market liquidity risk): Die Gefahr, aufgrund von aussergewöhnlichen Umständen auf dem Markt (etwa: Baisse an der Börse) jetzt zum Verkauf anstehende Vermögenswerte nur mit einem (merklichen) Abschlag veräussern (liquidisieren) zu können. Siehe Liquiditätsformen, Liquiditätsrisiko, Marktliquidität, Risiko. Vgl. Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 56 (Vorschriften für das Liquiditätsrisiko-Management). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Marktmanipulation (market manipulation): In Bezug auf Finanzmärkte betrügerische Machenschaften in Bezug auf das Angebot, die Nachfrage oder den Preis von Finanzprodukten. Darin eingeschlossen ist auch das Streuen von Gerüchten. Weiterhin umschliesst der Begriff auch sog. Informationsdelikte. Darunter versteht man, dass falsche oder irreführende Angaben veröffentlicht oder dass Angaben verschwiegen werden, die aufgrund geltenden Rechts zu veröffentlichen sind; die genaue Definition findet sich in § 20a WpHG.

In Deutschland kann die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht in solchem Falle ein Bussgeld bis zu 1,5 Mio EUR verhängen; ausserdem ist eine strafrechtliche Verfolgung möglich. Trotz strenger Aufsicht, hoher Strafandrohung und einer eigenen Verordnung zur Konkretisierung des Verbots der Marktmanipulation (Marktmanipulations-onkreti­sierungsverordnung, MaKonV) sind aber Marktmanipulationen nie ganz auszuschliessen; vor allem nicht im Internet und in Netzwerken wie Twitter.

Siehe Agiotage, Anleger, verständiger, Anlageschutz, Bear Raid, Blog, Börsengerüchte, Bull Raid, Daimonion, Entscheidungsnützlichkeit, Handeln, verdeckt gemeinsames, Internet-Foren, Kreditgefährdung, Kursbetrug, Kursmanipulation, Markt, enger, Pervasive Constraint, Prearranged Trades, Pump and Dump, Scalping, Schlangenhandel, Siderismus, Übernahme-Ankündigung, Umsatzzahlen, falsche, Umstände, bewertungswichtige, Vorhersagen, Wash Sales.

Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 187, Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 174 (Tatbestand neu präzisiert durch die neue Marktmanipulations-Konkretisierungs-verordnung [MaKonV] vom März 2004), S. 186 f. (einzelne Fälle), S. 189 (Schwierigkeiten bei der Feststellung), S. 193 ff. Übersicht; einzelne Fälle), Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 155 f. (Ergebnis von Analysen der BaFin), S. 161 ff.(Übersicht; einzelne Fälle), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 164 ff. (Übersicht; einzelne Fälle), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 172 ff. (hier auch Quelle von Verdachtsanzeigen), Jahresbericht 2008 der BaFin, S 154 ff. neue Meldepflichten verringern Marktmanipulations-Risiko), S. 161 ff. (einzelne aufgedeckte Fälle), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 180 (Aufschlüsselung der Marktmanipulations-Delikten; Manipulationen im Freiverkehr steigen an), S. 185 ff. (Bafin verdoppelt Untersuchungen; Erfolge) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel „Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft“. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Marktpreis (market price, market-based price, going price, market value): Allgemein der Geldbetrag, welcher für ein Gut (Ware oder Dienstleistung) zu einem bestimmten Zeitpunkt tatsächlich (effektiv, wirklich, letztlich) zu bezahlen ist. Er hängt vornehmlich ab von Angebot und Nachfrage sowie der Marktstruktur, nämlich wie viele Anbieter bzw. Nachfrager den Tauschverkehr (und damit im Normalfall auch das Ausmass des Wettbewerbs) bestimmen. Auch staatlich bestimmte oder durch ein Monopol vorgegebene Preise sind definitionsgemäss Marktpreise. Siehe Entstehungskurs, Fair Value, Gegenpartei-Risiko, Liebhaberpreis, Mark-to-Market-Ansatz, Mark-to-Model-Ansatz, Marktwert, Prozyklizität. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Marktzins (satz) (market interest rate): Der Zinssatz, der augenblicklich für das Angebot (Einlagezinsen) und die Nachfrage (Kreditzinsen) für Leihgeld in den jeweils verschiedenen Verwendungszwecken und daher in den einzelnen Marktsegmenten herrschend ist. Letztlich hängt der Marktzins mehr oder minder eng vom Leitzins der Zentralbank ab. Siehe Eurepo, EURIBOR, LIBOR, Zinsgefüge, Zinsniveau. Vgl. Monatsbericht der EZB vom August 2009, S. 103 ff. (Abhängigkeiten theoretisch und empirisch aufgezeigt; Übersichten; Literaturverweise). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.


Marktzins(satz) (market interest rate): Der Zinssatz, der augenblicklich für das Angebot (Einlagezinsen) und die Nachfrage (Kreditzinsen) für Leihgeld in den jeweils verschiedenen Verwendungszwecken und daher in den einzelnen Marktsegmenten herrschend ist. Letztlich hängt der Marktzins mehr oder minder eng vom Leitzins der Zentralbank ab. Siehe Eurepo, EURIBOR, LIBOR, Zinsgefüge, Zinsniveau. Vgl. Monatsbericht der EZB vom August 2009, S. 103 ff. (Abhängigkeiten theoretisch und empirisch aufgezeigt; Übersichten; Literaturverweise). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Masseneinkommen (mass income): Die Nettolöhne und Nettogehälter zuzüglich empfangener geldlicher Sozialleistungen in einem Wirtschaftsgebiet. Siehe Privathaushalte. Vgl. für Deutschland den statistischen Teil des jeweiligen Monatsberichts der Deutschen Bundesbank, Rubrik „Konjunkturlage“, Unterrubrik „Einkommen der privaten Haushalte“. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Massenzahlungsverkehr, elektronischer, EMZ (electronic large scale payments): Gemäss Artikel 127 AEUV (Lissabon-Vertrag 2009) hat die EZB für das reibungslose Funktionieren der Zahlungssysteme zu sorgen. Dies geschieht vor allem durch das TARGET-System. Siehe Business Continuity Programme, Clearing-Haus, automatisches, Finalität, Grossbetragszahlungen, Kapitaltransfersystem, elektronisches, Kontaktgruppe für strategische Fragen im Euro-Zahlungsverkehr, RTGS-System, Short-Term European Papers, TARGET-System.

Matzratzengeld (mattrass money): Geld im Besitz von Privathaushalten, das keiner zinsbringenden Verwendung zugeführt, sondern im häuslichen Bereich (under the mattrass) angehäuft und gelagert wird. Siehe Abwartehaltung, Anlage-Risiko, Attentismus, Eventual-Kasse, Geldbestand, sektoraler, Horten, Idle money, Liquiditätspräferenz, Opportunitätskosten. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Vgl. zu dem Zahlungssystemen übersichtlich den Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2005, S. 45 ff. (S. 50: Übersicht der Typologie der Systeme), Monatsbericht der EZB vom August 2006, S. 81 ff (ausführliche Darstellung der Grossbetrags-Zahlungssysteme), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2008, S. 49 ff. (Entwicklungstendenzen) sowie Statistiken mit Erläuterungen im jeweiligen Geschäftsbericht der Deutschen Bundesbank (Kapitel: „Aufgaben im Zahlungs- und Wertpapierverkehr“). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Megamergers (so auch im Deutschen gesagt): Der Zusammenschluss (in der Regel zweier) grosser Banken zu einem einzigen Institut. Wie die Erfahrung gelehrt hat, dauert es oft ein Jahrzehnt und länger, bis die positiven Grössen-Effekte aus einer solchen Verschmelzung wirksam werden, falls es zu solchen überhaupt je kommt.

Siehe Allianzen, grenzüberschreitende, Bankbetriebsgrösse, optimale, Bankfusionen, Bayrische Hypo- und Vereinsbank AG, Bestreitbarkeit, Dezentralisations-Prinzip, Downsizing, Gibrat-Regel, Gigabank, Grössen-Effekte, Konsolidierung, Korrespondenzbank-Beziehung, Megamanie, Octopus, Penrose-Theorem, Subsidiaritätsprinzip, Synergiepotentiale. Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mai 2005, S. 83 ff. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Mikro-Finanzierung (micro lending): Darlehn an Kleinstunternehmen (deren es weltweit etwa 550 Mio gibt), die von verlässlichen Finanzdienstleistungen grösstenteils ausgeschlossen und oft genug dem Wucher ausgeliefert sind. Soweit Banken diesen Markt (in vielen Schwellenländern mit staatlicher Rückendeckung oder gar Bürgschaften) bedienen, sind fast alle Darlehn pünktlich zurückbezahlt worden. Die Gewährung von Darlehn an Existenzgründer, und hier wiederum besonders an Start-ups im Nebenerwerb.

Bei den Banken erfordern solche Kredite bei knapper Zinsspanne einen erheblichen Bearbeitungsaufwand (administrative workload); sie bedürfen zudem eines breiten, nachhaltigen Betreuungsumfangs (lasting ongoing servicing) und verschaffen der Bank gleichzeitig ein hohes Kreditrisiko. Daher verlagerten sich solche Darlehn gutteilig auf Risikokapitalfonds, (halb)staatliche Sonderinstitute und Corporate Venture Capital-Gesell­schaften. Siehe Bootstraping, Burn Rate, Business Angel, Drittphase-Finanzierung, Gründerbank, Inkubator, Innovationsfonds, Liebesgeld, Private Equity-Finanzierung, Qardal-Hasan, Seed Capital, Sweet Equity. Vgl. Monatsbericht der EZB vom Oktober 2009, S. 105 ff. (Finanzierungsprobleme in Schwellenländern).
Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Mindest-Raten (minimum down payments): Vorschrift der Zentralbank (USA) oder der Aufsichtsbehörde, dass bei (Konsumenten)Darlehn die Banken zumindest den festgesetzten (monatlichen) Abzahlungssatz bei gegebenen Laufzeit fordern müssen. Eine Erhöhung des Prozentsatzes belastet die Kreditnehmer; die Nachfrage nach Kredit wird daher ceteris paribus sinken. Siehe Abzahlungsfrist, Darlehn, Höchstlaufzeiten, Ratenzahlung, Marge, Mindesteinschuss-Sätze.

Mittel (funds, financial means): Wenn nicht ausdrücklich anders definiert oder aus dem Textzusammenhang (etwa Mittel = Instrumente der Geldpolitik; Mittel = Durchschnittswert in der Statistik) hervorgeht, dann ist in der Finanzsprache damit immer Geld (Zahlungsmittel, Vermögen) gemeint. Siehe Geldmittel, Kapital, Liquidität, Summe.

Mittel, freie (uncommitted funds): In einem Unternehmen die zur einer Finanzanlage zur Verfügung stehenden Beträge; nämlich Geld, das zur Aufrechterhaltung des laufenden Zahlungsverkehrs entbehrlich und für betriebliche Vorhaben derzeit nicht benötigt wird. Barmittel, Cash-Management, Finanzplanung, Gap-Analyse, Liquiditätsformen.

Mittel, liquide (liquid resources): Wenn nicht anders definiert, die Summe aus dem Bestand an Zahlungsmitteln und freien Kreditlinien eines Unternehmens – Siehe Puffer. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Mittelstandsbank (bank for small and medium-sized bussinesses): Von Politikern in Deutschland geforderte (staatlich bezuschusste) Bank mit dem alleinigen Zweck der Kreditgewährung an mittelständische Firmen (small and medium-sized enterprises). Die im internationalen Vergleich schlechte Ausstattung mit Eigenkapital der Mittelstandsfirmen kann aber über finanzpolitische Massnahmen (Entlastung bei der Gewinnbesteuerung) eher erreicht werden als über eine Mittelstandsbank, die schlechte Risiken mit gleichen Konditionen bedient wie gute Adressen und damit die Zuführung des Kapitals an den besten Wirt (most favourable allocation of resources) verhindert. Siehe Bad Bank, Bonitätsklasse, Negativauslese, Rate der Kreditkunden, Risikoadjustierung, Strukturumbruch. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Mobile Banking (so auch im Deutschen, seltener [und missverständlich!] mit ambulante Bankgeschäfte übersetzt): Abwicklung von Bankgeschäften mittels WAP-tauglichem Mobiltelephon (Handy und Händi: so nur im Deutschen gesagt; sonst cell[ullar] phone oder mobile [phone]). Siehe Bankportal, Bezahlverfahren, innovative, Container Banking, Electronic Banking, Internetbank, Metcalfe-Regel, Multikanalbank, Online-Banking, Phishing, Rechtsrisiken, Sofa-Banking, Telebanking. Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2009, S. 62 ff. (Entwicklung einzelner Verfahren des Mobile-Banking; Literaturhinweise). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

M-Payment (so auch im Deutschen gesagt): Mobiles Bezahlen, eine Zahlung auf dem Wege über ein Mobiltelephon (Handy; mobile phone) erledigen. Siehe Bezahlverfahren, innovative, Bullet Payment. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Multikanalbank (multi-channel-bank): Institut, das dem Kunden die Möglichkeit bietet, auf verschiedenen Wegen mit ihm in Verbindung zu treten. Siehe Bank, gemischte, Bankportal, Benutzerfreundlichkeit, Call Centre, Direktbank, Electronic Banking, Internetbank, Metcalfe-Regel, Mobile Banking, Online-Banking, Phishing, Rechtsrisiken, Safer Traffic, Sofa-Banking. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.