Finanzlexikon Buchstabe P

Parallel Banking (so oft auch im Deutschen): Gesetzlich errichtete und rechtlich einwandfrei verfasste Unternehmen, die keine Banken sind, trotzdem aber Finanzgeschäfte betreiben, indem sie vor allem kurzfristige Mittel aufnehmen und diese langfristig als Darlehn vergeben bzw. in von Insolvenz bedrohte Firmen leiten. Zu solchen Unternehmen zählen Hedge-Fonds und Structured Investment Vehicles. Diese Unternehmen werden bis dahin noch nicht von Aufsichtsbehörden überwacht.

Underground Banking, nämlich in die rechtmässigen (weltweiten) Finanzströme eingebundenes Geflecht von Finanzdienstleistungen, das weder gesetzlich noch aufsichtsrechtlich erlaubt ist. Das Verlustrisiko auf diesem Parallelmarkt ist sehr hoch. Siehe Daimonion, Domizil-Verschleierung, Frontrunning, Geheimtip, Geldwäsche, Ghettobanking, Geldtransfer-Vermittler, Geldwäsche, Gründungsschwindel, Kapitalmarkt, grauer, Racheengel, Registriergeld, Remittance Services, Schattenbankbereich, Underground Banking, Winkelmakler. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Passivzinsen (interest payable to creditors): Zinsen, welche eine Bank ihren Einlegern zahlt. Siehe Aktivzinsen, Verzinsung, Zinsspanne. Vgl. den Anhang „Statistik des Euro-Währungsgebiets“, Rubrik „Finanzmärkte“ im jeweiligen Monatsbericht der EZB. Dort sind in der Unterrubrik „Einlagezinsen“ die entsprechenden Werten nach verschiedenen Merkmalen ausgewiesen. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Payback (so auch meistens im Deutschen gesagt, seltener auch Rückerstattung). Falls nicht anders definiert, so versteht man darunter den Betrag, der einem Anleger beim Ausstieg (exit) aus einem Engagement allgemein und aus einer kurzlebigen (transitory), zeitweisen (temporary) Investition im besonderen zufliesst; also das eingesetzte Kapital plus dem Gewinn bzw. minus dem Verlust. Siehe Exit, Flip. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

PayDirect Computerzahlungs-System der Firma Yahoo, ursprünglich auf die Bezahlung im Rahmen der Internet-Versteigerungen durch Yahoo ausgerichtet und später um weitere Funktionen ausgestaltet. Zum Jahresende 2007 beschloss Yahoo, den Dienst völlig einzustellen, weil er zu verlustreich war. Siehe Bezahlungsverfahren, innovative, Billpoint, Giropay. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Payment-in-Kind-Kredit (payment in kind credit): Ein Darlehn, bei dem der Schuldner zwischen der Geldaufnahme und der Fälligkeit bzw. dem Refinanzierungstermin keine Zahlungen an den Gläubiger zu leisten hat. Solche Kredite werden vor allem von CLO-Fonds im Zuge von Fusionen und Übernahmen vergeben. Siehe Ballon-Kredit, Leveraged Buy-out, Pay-in-Kind-Anleihe, Second-Lien-Kredit, Toogle-Schuldtitel, Zwei-Achtundzwanzig-Kredit. Vgl. Monatsbericht der EZB vom Dezember 2006, S. 46 (Gefahren dieser Finanzierungsart). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Pfandleiher (pawnbroker): Betriebe, die gewerbsmässig verzinsliche Darlehn gegen die Verpfändung von (Wert)Gegenständen gewähren. Sie gelten in Deutschland zwar nach § 2, Abs. 1 KWG nicht als Kreditinstitute, sind aber im Zuge der Geldwäsche in das Visier der Behörden gekommen. Ihr Betrieb ist in Deutschland erlaubnispflichtig. Siehe Beleihungswert, Faustpfand, Zahlhaus. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Phishing (so auch im Deutschen gesagt): Auf dem Finanzmarkt der kriminelle Versuch, einem Bank-Kunden (seit 2004 mehr und mehr daneben einem Versandhaus- oder Auktionshaus-Kunden) vorwiegend über den E-Mail-Verkehr und gefälschte Internet-Seiten, seltener auch durch telephonischen Anruf, Zugangsdaten (wie Login-Name, Passwort, Pin-Code, Transaktionsnummer [TAN]) auf sein Konto zu entlocken, um dieses dann zu ausrauben. Phishing schadet der Internet-Wirtschaft beträchtlich, weil es das Vertrauen in Online-Banking und andere Webdienste untergräbt. Phishing zu bekämpfen ist schwer, da sich die oft von Offshore-Finanzplätzen aus verbreiteten gefälschten Mails und Seiten von den echten kaum unterscheiden, und daher viele Privathaushalte und selbst Firmen sich täuschen lassen.

Die Bezeichnung leitet sich entweder von „Fischen“ (fishing) ab; wobei die Ersetzung des Eff durch ein Peha eine in der Fachsprache der Internet-Insider (Leetspeak [auch Leetspeek geschrieben] = das Austauschen von Buchstaben durch ähnlich aussehende Zahlenzeichen bzw. Codes sowie durch andere Reihenfolge der Schriftzeichen: Heteroklita, Hypallage) eine nicht selten anzutreffende Verfremdung ist, oder aber der Ausdruck geht auf password harvesting fishing zurück. Im Jahr 2005 bereits tauchten allein in Deutschland rund 12 000 Phishing-Seiten pro Monat auf. Siehe Holzhammerangriff, IT-Risiken, Pharming, Rechtsrisiken.


Vgl. Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 185 (kriminelle Übertragung an Finanzagenten, die dafür Provision beziehen), S. 194 (keine Möglichkeiten der BaFin, derartige Manipulationen abzustellen), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2006, S. 101 f. (internationale Rechtsunsicherheiten), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 181 (Phishing bei Pump and Dump), S 215 abgephischte Beträge werden durch Phishing-Betrüger [phishing fraudsters] in baltische Staaten transferiert) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel „Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft“ sowie Kapitel „Querschnittsaufgaben“. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

PIN-Code (so auch im Deutschen): Abkürzung für Personal Identification Number; ein Erkennungszeichen aus einer Kombination von Ziffern und/oder Buchstaben im Verkehr zwischen Kunde und Bankautomatik. Siehe Pay per Touch, Zeichenunterschrift. Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2006, S. 100 f. (Sicherheit der PIN im Kartengeschäft). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Plastikgeld (plastic money): Volksläufige Bezeichnung aller Karten, die im Zahlungsverkehr anstelle von Bargeld verwendet werden. Siehe Chipkarte, Geld, elektronisches, Geldkarte, Karte, Rahmenwerk für das europäische Kartengeschäft. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

POS-Banking (so auch im Deutschen gesagt): Das bargeldlose Bezahlen von Waren und Dienstleistungen unmittelbar am Point of Sale mittels einer Karte. Siehe Bargeld, Community Card, Computerzahlung, Chipkarte, Geld, elektronisches, Karte, Karte, multifunktionale, Pay-Green-Initiative, Radio Frequency Identification, Ticketing, electronic. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Postsparbuch (postal savings book): Von der Postbank (früherer Name in Deutschland ab der Gründung 1909 bis 1978: Postscheckamt, dann 1989 in Postgiroamt umbenannt) ausgegebenes Sparbuch bzw. Sparheft. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Postüberweisung (mail payment, postal cheque account transfer, mail transfer, postal giro transfer): Durch den Postdienst (früher in Deutschland durch eigene Geldbriefträger [postman who delivers money orders]) vorgenommene Zahlungen, zumeist an Privathaushalte. In den USA und anderen Staaten heute noch zur Bedienung der Unbanked von Bedeutung. Siehe Geldbrief, Konto für Jedermann, Postauftrag, Unbanked. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.


Privatbanken (private banks): In der Statistik in der Regel der Oberbegriff für Privatbankiers, Regionalbanken und Spezialbanken. In Deutschland von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht mit besonderem Auge überwacht, weil hier immer wieder gravierende aufsichtliche Beanstandungen zu verzeichnen waren. Siehe Bank, Bankier, Einzelfirma, bankliche, Front Desk, Honorar-zurück-Garantie, Inhaberkontrollverfahren, Privatbankier. Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 116 f. (Definition; Prüfungsergebnisse) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Beiheft „Bankenstatistik“ der Deutschen Bundesbank, Anhang „Erläuterungen“. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Projektfinanzierung (project financing, PF): Die Bereitstellung von Geld, bei der ein Kre­ditgeber in erster Linie die aus der betreffenden Investition erzielbaren Einkünfte als Quelle für die Begleichung seiner Forderungen sowie als Sicherheit für seine Forderungen zugrunde legt. Üblich ist diese Form der Finanzierung bei Grossvorhaben (large-scale projects) mit sehr hohen Kosten (with very hight costs, such as oil extraction, mining, oil refinieries, purchase of methane tankers, or the construction of power plants).

Die Rückzahlung des Kredits hängt hier vor allem vom Cash Flow aus dem Vorhaben sowie aus dem Sicherheitswert der Projekt-Aktiva (etwa Bergwerk, Kraftwerksanlage) ab. Wegen des damit verbundenen hohen Risikos geschieht die Projektfinanzierung bei grösseren Vorhaben daher meistens in Form der Finanzierung durch mehrere Banken (syndication). Siehe Ausstiegsrisiko, Konsortialkredit, Objektfinanzierung. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.