Finanzlexikon Buchstabe R

Rahmenkredit (global credit arrangement, framework credit, global credit line): Ein Darlehn, das von einem Kunden der Bank (in der Regel einem Unternehmen oder einer staatliche Stelle) in Teilbeträgen bis zur festgelegten Obergrenze (maximum line, ceiling) innert einer vertraglich festgelegten Zeit in Anspruch genommen werden kann. Ein Rahmenkredit hat einen variablen Zinssatz und kann in aller Regel ohne weiteres vorzeitig getilgt werden. Siehe Blankokredit, Kontokorrentkredit, Personalkredit, Privatkredit, Retailgeschäft. Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mai 2001, S. 58. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Rahmenwerk für das europäische Kartengeschäft (SEPA cards framework, SCF): Im Rahmen der Bemühungen der Europäischen Kommission um einen einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraum (Single European Payment Area, SEPA) aufgestellte Eckpunkte für eine mit Interoptabilität ausgestattete Karte. Siehe Card Verification Value, Chipkarte, Community Card, Computerzahlung, EMV-Richtschnur, Geld, elektronisches, Geldautomaten-Sperre, Geldkarte, Geldnutzen, Interoptabilität, Karte, multifunktionale vorausbezahlte, Karten-Allianz, Karten-Echtheitsprüfung, Kreditkarte, Konto, anonymes, Kundenkarte, Netzgeldgeschäft, Pay-Green-Initiative, Pay per Touch, Plastikgeld, POS-Banking, Prozessor, Single European Payment Area, Ticketing, electronic. Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2006, S. 98 f. (Vorgaben der EU-Kommission; noch offene Fragen der Verrechnung), Geschäftsbericht 2006 der Deutschen Bundesbank, S. 108 (Stand der Arbeiten an dem System). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Rate der Kreditkunden (rate of borrowing customer): Prozentuale Gliederung der Darlehnnehmer gesamthaft entweder bei einer einzelnen Bank oder bei den Kreditinstituten innert eines Landes. Aufschlüsselung der Kredite an Unternehmen in der Regel nach der Betriebsgrösse, gezählt nach der Anzahl der Beschäftigten, von den meisten Zentralbanken beobachtet und von der EZB im Rahmen des Zwei-Säulen-Prinzips ausgewertet. Die Rate in diesem Sinne betrug 2004 in Deutschland (Grossbritannien/Schweiz) bei Mikro-Unternehmen (1 bis 9 Beschäftigte) 43 Prozent (55 Prozent/35 Prozent), Kleinunternehmen (10 bis 49 Beschäftigte) 37 Prozent (40 Prozent/47 Prozent). Für die USA ist die Rate der Kreditkunden nicht bekannt. Die Behauptung, Banken hätten für die Unternehmensfinanzierung nur ein geringes Gewicht, lässt sich anhand dieser Daten nicht belegen. Siehe Bad Bank, Bonitätsklasse, Mittelstandsbank, Unternehmenskredite. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Ratendarlehn (instal[l]ment loan): Eine Ausleihung, bei welcher die Höhe der Rückzahlungen ständig abnimmt, da der Zinsanteil bei gleichbleibender Tilgung immer kleiner wird. Siehe Annuitätendarlehn. uellenangabe: Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Ratenzahlung (payment by instal[l]ments): Tilgung einer Schuld auf dem Wege mehrerer, in der Regel in Bezug auf Betrag und Zeitpunkt vertraglich genau festgelegter Teilrückzahlungen. Die Anzahl und die Höhe der Ratenzahlungs-Verträge im Bereich der Privathaushalte werden von der Zentralbank beobachtet, weil sie Rückschlüsse auf die Erwartungen der Konsumenten auch hinsichtlich des Geldwertes einschliessen. Siehe Abzahlungsfrist, Darlehn, Endfälligkeit, Höchstlaufzeiten, Konsumentenkredit, Mindestraten, Mindesteinschuss-Sätze, Rate, Verwirkungsklausel. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Realgeld (coined money, hard money): In älteren Dokumenten meint man damit Münzen aus Silber oder Gold; im Unterschied zu Geldscheinen oder Urkunden wie einen Scheck oder Wechsel. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Realkredit (real-estate credit, loan based on real estate, secured credit): Darlehn, besichert durch hypothekarische Belastung von Immobilien. Je nach Bonität der Kreditnehmer unterscheidet man grob erstklassige (prime) Hypothekarkredite; dies sind in der Regel durch Grundstücke im Eigentum von Unternehmen gesicherte Darlehn, und zweitklassige (sub-prime) Realkredite; dies sind Baukredite an finanzschwache Schuldner, vor allem an Privathaushalte („Häuslebauer“, home-builder).

Zur Verbriefung eigenen sich (seit der weltweiten Krise auf dem Realkreditmarkt im Sommer 2007) praktisch nur noch hochbonitäre Realkredite. Siehe Amortisation, negative, Beleihungswert, Erstraten-Verzugsklausel, Home Mortgage Disclosure Act, Immobilienpreise, Kreditvergabe-Grundregel, Langfristkultur, Mobiliarkredit, Mortgage Equity Withdrawal, Panik-Verkäufe, Pfandbriefanstalten, Stadtschaften, Subprime Lending, Subprime-Krise, Taxe, Wohneigentum. Monatsbericht der EZB vom August 2009 (rechtliche Unterschiede zwischen den Hypothekenmärkten im Eurogebiet und den USA). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Realzinssatz (real interest rate) Ein um das Mass der tatsächlich gemessenen, realisierten Inflationsrate oder der erwarteten Inflationsrate berichtigter nominaler Zinssatz (the inflation-adjusted return on invested funds). In die Kalkulationsgrundlage langfristiger Investitions- und Konsumentscheidungen geht der erwartete Realzinssatz ein, auch ex-ante-Realzinssatz genannt. Ist die Inflationsrate höher als der Zinssatz, so spricht man oft von einem negativen Realzinssatz.


Bei Auslandsanlagen manchmal auch der nominale Zinssatz unter Berücksichtigung der Kurssicherungskosten (Swapsatz). Siehe Eigenkapitalkosten, Fisher-Parität, Inflationsdifferenzen, Realzinsargument, Zinssatz, realer. Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2001, S. 33 ff., Monatsbericht der EZB vom Juli 2005, S. 32 ff. (Messung der erwarteten Veränderungen auch der realen Terminzinsen; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2008, S. 38 (unterschiedliche Realzinssätze in der Europäischen Währungsunion). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Referenz-Zinssatz (benchmark interest rate): Wenn nicht anders definiert ein Zinssatz, auf den sich bei einem Darlehn beide Parteien grundsätzlich einigen. Jedoch wird eine periodische Anpassung dieses Zinssatzes vereinbart, und zwar anhand eines bestimmten Satzes (etwa den EURIBOR). Damit wird eine marktgerechte Verzinsung erreicht. Siehe Langfristkultur, Rollover-Kredit, Zinsänderung, Zinsbindung, Zinsswap. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Regionalbank (regional bank): Im engeren Sinne eine Institut, das in seiner Geschäftstätigkeit auf ein engeres räumliches Gebiet begrenzt ist. Im weiteren Sinne (auch in der Bankenstatistik der Deutschen Bundesbank) zwar ursprünglich lediglich auf einen bestimmten Landsteil (etwa: Badische Beamtenbank) ausgerichtetes Institut, das aber inzwischen durch Filialgründungen oder aufgrund von Fusionen und Übernahmen (etwa: Landesbank Rheinland-Pfalz) über das anfängliche Heimatgebiet hinausgreift. Siehe Ortsbank, Privatbanken. Vgl. das monatlich erscheinende Heft „Bankenstatistik“ der Deutschen Bundesbank, Anhang „Erläuterungen“. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Remote Banking (so auch im Deutschen gesagt): Der automatisierte Zugang auf Finanzdienstleistungsinstitute. Siehe Bankportal, Benutzerfreundlichkeit, Direct Brokerage, Internet-Bank, Metcalfe-Regel, Moonlight Banking, Mobile Banking, Multikanalbank, Online-Banking, Phishing, Safer Traffic, Sofa-Banking. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Rezession und öfters auch Slowdown (recession): In der Definition der amtlichen Statistik und der Zentralbanken ein Rückgang des Brutto-inlandsprodukts über zwei Quartale hinweg. Im Sprachgebrauch der Öffentlichkeit (spätestens seit der Subprime-Krise 2007) jedwelcher Rückgang volkswirtschaftlicher Kennzahlen (Auftragseingang, Börsenkurse, Beschäftigung, Konsum, Investitionen, Ausfuhren) bzw. auch auf einzelne Branchen (wie etwa die Automobilindustrie) bezogen. Siehe Konjunkturdiagnose, Konjunkturstatistik, Krisen-Vorschatten, Verschuldungsquote, private.

Vgl. Monatsbericht der EZB vom April 2009, S. 56 ff. (Vergleich der Rezessionen seit 1974; Auswirkungen auf einzelne Bereiche; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom April 2009, S. 10 ff. (Darstellung verschiedenes Rezessions-Typen in den USA; Übersichten, Literaturhinweise), Monatsbericht der EZB vom November 2009, S. 105 ff. (Rezession im Eurogebiet geschichtlich betrachtet; viele Übersichten), Monatsbericht der EZB vom April 2010, S. 48 ff. (Investitionen und Kapazitätsauslastung in der Rezession; Übersichten), S. 51 ff. Erholung aus der Rezession aus historischer Sicht; Übersichten). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Risikoprämie (risk premium) Das bei einem Darlehn in den Preis für das Leihkapital eingerechnete Entgelt für besonders gefahrvolle Umstände bei dem Schuldner. Die in den Zinssatz eingerechnete Entschädigung für erwartete Minderung des Geldwerts, auch Laufzeitprämie genannt. Abschlag beim Handel mit Credit Default Swaps. Hohe Prämien deuten auf entsprechend schlechte Bonität bei dem zugehörenden Basiswert hin. Siehe Eigenkapitalkosten, Gewinnerwartung, Laufzeitprämie, Ricardo-Effekt, Spekulation, destruktive, Zins, roher. Vgl. Monatsbericht der EZB vom Dezember 2006, S. 34 ff. (Risikoprämien und Zinsstrukturen-Kurve; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom April 2007, S. 30 ff. (Risikoprämien im Eurogebiet seit 1999; Übersichten). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Risikoprofil (risk profile): Wenn nicht anders definiert, im Zuge von Basel-II die Offenlegung von Kreditrisiken bei einer Bank. Hier sollten Angaben über das Portfolio-Gefüge, die wichtigsten Arten der Kreditrisiken, ihre geographische und branchenmässige Verteilung und Einzelheiten über notleidende Kredite kundmacht werden. Auch Mitteilungen über das Risikomanagement, bezüglich risikomindernder Verfahren und Verbriefungen zählt man zum Risikoprofil.

Siehe Abrufrisiko, Aktiva-Produktivität, Ausfallrate, erwartete, Aushaftung, Basel-II, Ertragseffizienz, Internen Ratings Basierender Ansatz, Informations-Überladung, Kapitalzuschlag, Korrelationsrisiko, besonderes, Kreditereignis, Liquiditätsrisiko, Marktdisziplin, Offenlegungspflichten, Rating, Reintermediation, Risikotransparenz, Rückschlag-Effekt, Terminrisiko, Unterlegung, Validierung, Verlustereignis, Verbriefung, Warehousing Risk, Zwölf-Felder-Risikomatrix.

Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2005, S. 57 ff., Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 88 ff. (Risikomodelle in der Praxis; Ergebnisse von Backtesting), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 67 (Ergebnisse der Risikoklassifizierung), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 125 f. (Risikoprofil und Aufsichtshandeln) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin (Rubrik „Risikomodelle“), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2006, S. 35 ff. (mit Schwerpunkt auf Risiken in Kreditpotfolios der Banken). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.