Finanzlexikon Buchstabe S

Sanktionen der EZB (ECB coercive measures): Aufgrund des EG-Rechts kann die EZB Geschäftspartner vom Verkehr ausschliessen, wenn diese ihre Verpflichtungen gegenüber der EZB nicht erfüllen. Hierzu zählen insbesondere Verstösse gegen die Tender-Regeln oder die Regeln bei bilateralen Geschäften (ein Geschäftspartner ist nicht in der Lage, ausreichend refinanzierungsfähige Sicherheiten anzuschaffen, um den zugeteilten Liquiditätsbetrag zu besichern bzw. den ihm in einem liquiditätsabschöpfenden Geschäft zugeteilten Betrag bereitzustellen), Pflichtverletzungen, welche die Nutzung refinanzierungsfähiger Sicherheiten betreffen (ein Geschäftspartner verwendet Sicherheiten, die nicht oder nicht mehr refinanzierungsfähig sind) und Verstösse in Zusammenhang mit dem Zugang zur Spitzenrefinanzierungs-Fazilität (ein Geschäftspartner, der am Tagesende einen Sollsaldo auf dem Zahlungsausgleichkonto aufweist, erfüllt nicht die Zugangsbedingungen zu dieser Fazilität). Vgl. im einzelnen EZB: Die einheitliche Geldpolitik in Stufe 3, S. 11 f. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Scheckeinzugsverfahren, imagegestütztes, ISE (image-based cheque collection system): Im September 2007 in Deutschland von den Verbänden der Kreditwirtschaft zusammen mit der Deutschen Bundesbank eingeführter Weg, um papierene Schecks ab einem Betrag von 6 000 EUR durch die Übermittlung elektronischer Abbilder (Images) zu verrechnen. Weil arbeitstäglich in Deutschland um die 30 000 Schecks über 6 000 EUR abgewickelt werden, so bringt das imagegestützte Einzugsverfahren wesentliche Vorteile (vor allem: Wegfall der Bearbeitung von Formularen und des Schecktransports). Für Schecks unter 6 000 Euro galt bereits die beleglose Abwicklung. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Scheckverfügungssperre (cheque access block): Kunden können über einen bei der Bank eingerechten Scheck in der Regel erst nach Ablauf einer gewissen Frist verfügen. Im Inland sind dies meistens zehn Bankarbeitstage und bei Schecks, die auf ein ausländisches Institut eingereicht werden, bis zu einem Monat. Auf Verbraucherbeschwerden hin erklärte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht dies für angemessen. Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 219 (Begründung der Verfügungssperre). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Schlüsselzinssätze der EZB (key ECB interest rates): Der jeweilige Zinssatz für die Einlage-Fazilität, Hauptrefinanzierungs-Geschäfte und die Spitzenrefinanzierungs-Fazilität im Verkehr mit der EZB. Diese Sätze werden von der EZB auf ihrer Homepage veröffentlicht und finden sich (für die letzten Jahre) ausgewiesen im Anhang „Statistik des Euro-Währungsgebiets“, Rubrik „Monetäre Statistik“, Unterrubrik „Schlüsselzinssätze der EZB“ des jeweiligen Monatsberichts der EZB. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Schulden (debt, liabilities): Bei einem Privathaushalt die Summe der Forderungen der Kreditgeber. In Bezug auf eine Firma das in dem Unternehmen arbeitende Fremdkapital (the borrowings of any kind that the business may have arranged). Die Forderungen kreditgebender Gläubiger an den Staat (Staatsschulden). Siehe Darlehn, Finanzpolitik, Kredit, Nettogläubiger, Verlusttarnung, Verschuldungsquote, öffentliche, Vertrauensverlust, Verbindlichkeiten. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Schulden, notleidende (distressed debt): Bei einer Bank ausfallgefährdete oder bereits als uneinbringlich festgestellte Darlehn. Siehe Arrangement, Ausfallrate, erwartete, Ausfall-Verlust, Ausfallwahrscheinlichkeit, Debt-Equity-Swap, Reintermediation, Entfernung zur Zahlungsunfähigkeit, Kalibrierung, Kredit, notleidender, Kreditverlust, Staatsschulden, verweigerte, Trennschärfe, Validierung, Verlustquote.
Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Schuldenmanagement (debt management): Durch den Einsatz geeigneter Finanzierungsinstrumente und Laufzeiten eine ausgewogene Gläubigerstruktur zu erreichen. Siehe Arrangierung, Bankregel, goldene, Fälligkeitsgliederung. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Schwarzgeld (dirty money): Erträge aus der Schattenwirtschaft (black economy, shadow economy), nämlich allen ökonomischen Tätigkeiten, die nicht in der Statistik des Bruttoinlandsprodukts erscheinen (illegally-earned money, illegal income). Vermögenswerte, deren Besitz aus rechtswidrigen Handlungen (wie Bestechung, Drogengeschäft) herrührt (criminal income). Steuerrechtlich gesehen Einnahmen, die einer ordnungsgemässen Veranlagung vorenthalten wurden (untaxed revenues).

Soweit deutsche Staatsbürger Schwarzgeld-Konten im Ausland unterhalten, spürt diese der deutsche Geheimdienst (Bundesnachrichtendienst; Federal Intelligence Service) mit allen Mitteln auf, wie im Februar 2007 in Bezug auf das Fürstentum Lichtenstein geschehen. Auch von Kriminellen angebotene Datenträger mit Adressen von (angeblichen) Steuerhinterziehern (tax dodgers) kauften deutsche Behörden anfangs 2010 begierig auf. Der Schweiz wurde dabei in der Öffentlichkeit der Vorwurf gemacht, die Steuerhinterziehung (tax evasion) zu begünstigen. Siehe Drogengeld, Geld, schmutziges, Geldwäsche, Helvetophobie, Kontenoffenlegung, Offshore-Finanzplätze, Schutzgeld, Schweigegeld, Underground Banking. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

SEPA-Lastschriftverfahren (SEPA Direct Debit Scheme; SDD): Zahlungen im System in der Single European Payment Area. Siehe International Bank Account Number. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Sicherheitsnetz, weltweites (global safety net, GSN): Vom Internationalen Währungsfonds im Jahr 2010 angesichts der Nachwehen der Subprime-Krise vorgeschlagene Zusage, Staaten in Liquiditätsschwierigkeiten bedingungslos beizustehen, um Ansteckungswirkungen auf internationaler Ebene zu vermeiden. Der Gedanke fand vor allem bei der EZB und auch bei den meisten europäischen Regierungen keine Zustimmung. Denn eine solche Zusicherung würde in vielen Ländern die Anstrengungen um Wahrung der Finanzstabilität untergraben. Siehe Bail-out, Griechenland-Krise, Konditionalität, Moral Hazard. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Sicherungsgeld (security sum): Bei Verträgen die Vereinbarung, dass eine Summe Geldes (Kaution; bail money) hinterlegt wird, um die (spätere) Leistung des Vertragspartners zu gewährleisten. Vom Hotel verlangte, im voraus zu hinterlegende Summe, die Gäste aufzubringen haben, denen besondere Leistungen (wie eine hauseigene Telephonanlage mit freier Durchwahl oder ein Internet-Anschluss) zu Verfügung stehen.

In Deutschland in der Zeit der Regierung des Kanzlers Hitler (1933-1945) unliebsamen Personen (vor allem katholischen Geistlichen) einmalig auferlegte oder jährlich abverlangte Zahlung, um sie so vor regierungskritischen Äusserungen zu warnen. Im deutschen Steuerrecht eine der Konventionalstrafe entsprechende Zahlung. Sie wird dem Steuer pflichtigen für den Fall auferlegt, dass er gewisse Bedingungen nicht beachtet, unter denen ihm eine Steuervergünstigung (tax privilege) gewährt wurde. Siehe Sicherheit, Sicherheitseinbehalt. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Sicherungspflicht (protection requirement): Gemäss § 2 des Einlagesicherungs- und Anlegerentschädigungsgesetzes aus dem Jahr 1998 sind in Deutschland die Institute verpflichtet, ihre Einlagen und Verbindlichkeiten aus Wertpapiergeschäften nach Massgabe dieses Gesetzes durch Zugehörigkeit zu einer Entschädigungseinrichtung (protection scheme) zu sichern. Siehe Einlagensicherung, Entschädigungseinrichtung für Wertpapierhandelunternehmen, Feuerwehrfonds, Pool, Sicherungsfonds für Lebensversicherer. Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 205 (Liste der von der BaFin überwachten Entschädigungseinrichtungen). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Sicherungspool (central memory unit; protection scheme): Bei Banken und Versicherungen ein Zentralserver, der automatisch jede auf einem einzelnen Computern gespeicherte Datei verwahrt. Aus diesem Verzeichnis können dann auch verlorene oder versehentlich gelöschte Dateien zurückgeholt werden. Durch entsprechende Gestaltung dieses Hauptspeichers ist es den Berechtigten (der Geschäftsleitung) jederzeit möglich, alle Geschäftsvorfälle im Blick zu haben. Eine Entschädigungseinrichtung, die Einlagen der Kunden bei einem Institut im Falle von Insolvenz garantiert. Siehe Pool, Sicherungspflicht. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Sichteinlagen (demand deposits; checkable deposits, sight deposits): Guthaben bei einer Bank, über das sofort durch Scheck, Überweisung oder Debitkarte verfügt werden kann. Sie haben aus der Sicht der Zentralbank einen sehr hohen Geldgrad (Liquiditätsgrad). Siehe Guthaben, verfügbares, Liquiditätspräferenz, M1.
Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Smartkarte auch Prozessorkarte und Krypotokarte (smart card): Eine multifunktionale Chipkarte, heute nur noch als Plastikkarte in der Standardgrösse von 85,6 x 54 x 0,76 mm und mit den gleichen physikalischen Eigenschaften wie eine Magnetstreifenkarte. Ein in die Karte implantierter Chip enthält einen Mikroprozessor und Speicher. Der Begriff Ausdruck „Smartcard“ ist ein eingetragenes Warenzeichen der kanadischen Firma Groupmark. Siehe Chipkarte, Geldkarte, Karte, Kreditkartenfiasko. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Sofa-Banking auch Fernsehsessel-Banking (sofa banking, armchair banking): Die Erledigung von Bankgeschäften von zu Hause mittels entsprechender elektronischer Geräte. Siehe Bank, gemischte, Bezahlverfahren, innovative, Benutzerfreundlichkeit, Container-Bank, Direct Brokerage, Generation@, Internetbank, Metcalfe-Regel, Moonlight Banking, k, Mobile Banking, Multikanalbank, Online-Banking, Phishing, Telephon-Banking. Vgl. Jahresbericht 2002 der BaFin, S. 53 ff. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Solvenz (solvency): Allgemein die Fähigkeit, allen laufenden Zahlungsverpflichtungen nachkommen zu können (ability to meet financial obligations). In engerem Sinne auch die Möglichkeit eines Unternehmens, im Falle der Insolvenz sämtliche Verbindlichkeiten decken zu können (the ability of a company to honour its commitments in the event of liquidation, i.e. if its operations are wound up and assets are put up for sale). Siehe Zahlungsfähigkeit. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Sparbuch ([savings account-]pass book, savings book, bank book): In Deutschland immer noch beliebte Form des Sparens, bei dem eine Bank dem Kunden eine Urkunde (in Form eines handlichen Heftes: das Sparbuch) aushändigt, worin Einzahlungen, Abhebungen und der jeweilige Kontostand eingetragen werden, sieh auch § 808 BGB. Aufgrund seiner niedrigen Rendite ist das Sparbuch für hohe Beträge und für eine langfristige Geldanlage wenig geeignet. Auch wurde es durch andere Formen des bargeldlosen Zahlungsverkehrs verdrängt. Siehe Computerzahlung, Chipkarte, Einkommensstreben, Geld, elektronisches, Geldkarte, Karte, multifunktionale, Sparheft, Sparwut. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Spareinlagen (savings deposits; U.S. oft auch: thrift deposits): Einlagen von Privathaushalten bei Banken. Sie werden in aller Regel getätigt, um längerfristige Vorhaben (projects at medium and long term) zu finanzieren oder auch nur, um einen Zinsertrag zu erhalten. Freilich ist es grundsätzlich möglich, Sparguthaben mit gesetzlicher Kündigungsfrist (legally fixed advance notice) sofort aufzulösen, wenn auch meistens zu noch ungünstigeren Bedingungen (Vorfälligkeits-Entschädigung) als bei Termineinlagen.

Sie haben mit anderen Worten einen sehr geringen Liquiditätsgrad (liquidity ratio). Weil jedoch möglicherweise auch Sparguthaben in Bargeld umgewandelt werden könnten, fasst sie die Geldstatistik ins Auge. Siehe Geldwerte, Kontensparen, Sparwut, Zinsberechnung. Vgl. zur Höhe der Spareinlagen, nach Kündigungsfristen unterteilt, den Anhang „Statistik des Euro-Währungsgebiets“, Rubrik „Monetäre Entwicklungen, Banken und Investmentfonds“ im jeweiligen Monatsbericht der EZB. sowie Monatsbericht der EZB vom September 2009, S. 23 ff. (Spareinlagen während der Finanzkrise; Übersichten). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Sparen (saving): Allgemein der Nichtverbrauch von Einkommen und in der Regel auf Privathaushalte bezogen. Siehe Ersparnis, Horten, Kontensparen, Minderschätzung künftiger Bedürfnisse, Spareinlagen, Sparquote, Staatsverschuldung, konsummindernde. Vgl. die Definitionen sowie die Bestands- und Zuwachsgrössen unter der Rubrik „Finanzkonten und nichtfinanzielle Konten“, Unterrubrik „Jährliche Ersparnis, Investitionen und Finanzierung“ im Teil „Statistik des Euro-Währungsgebiets“ des jeweiligen Monatsberichts der EZB. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Sparkasse in älteren Dokumenten auch Sparkassa (savings bank, bis etwa 1880 penny bank): Bank, die sich im Passivgeschäft hauptsächlich mit der Entgegennahme und Verwaltung von Spareinlagen befasst. Im Deutschland ursprünglich von Städten und Kreisen ab etwa 1820 gegründet, sollten Sparkassen die sichere und zinsbringende Anlage kleiner Geldbeträge für die minderbegüterten Schichten der Bevölkerung ermöglichen. Bis Juli 2005 bestand eine Haftungsgarantie der Gewährträger (Städte, Kreise) für allfällige Schulden der Institute. Wegen des Bezeichnungsschutzes in Deutschland vgl. § 40 KWG.


Sparkassen haben sich während der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise aufgrund ihrer örtlichen Verankerung, ob ihrer breiten Einlagefinanzierung (sehr viele Konten regelmässiger Einkommensbezieher und Sparer) und wegen der im Allgemeinen geringen Grösse der Institute als risikoabschirmend und damit als stabilisierend für das Finanzsystem erwiesen. Siehe Gewährträgerhaftung, Girozentrale, Landesbank, Retailgeschäft. Vgl. Jahresbericht 2002 der BaFin, S. 64, Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 93 f., Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 110 ff., Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 120 (Anzahl der Sparkassen 1998 bis 2007), S. 211 f. (vermeintliche EU-Sparkassen: Untersagungsverfügung der BaFin), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 114 (Übersicht: Zahl der Sparkassen 1999 bis 2008; Fusionsprozess), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 128 f. (weitere Zusammenschlüsse von Sparkassen; Statistik seit 1999) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel „Aufsicht über Banken, Finanzdienstleistungs- und Zahlungsinstitute“. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Sparkassen-Umwandlung (conversion of savings banks): Die Forderung, alle Sparkassen und Landesbanken in Deutschland zu entkommunalisieren, zu privatisieren und in eine einzige grosse Bank einzubringen, die dann mit einem geschätzten Anteil von knapp über 50 Prozent der Umsätze auf dem Finanzmarkt marktbeherrschend wäre. In Italien wurde dies im grossen und ganzen vollzogen; die so entstandene UniCredit übernahm 2005 die Bayrische Hypo- und Vereinsbank. Siehe Gigabank, Megamanie, Rush to exit, Subsidiaritätsprinzip, Vertikalisierung. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Sparquote (propensity to save): Das Verhältnis des Sparens zum Einkommen, in der Regel nur auf die Privathaushalte bezogen. Die Erfahrung zeigt, dass mit steigendem Einkommen und unter der Voraussetzung von Preisstabilität, unveränderten Erwartungen, gleichbleibender Steuerbelastung, wertbeständiger Vermögenslage (der Marktpreis des Portfolios in Wertpapieren und anderen Anlagegegenständen ändert sich nicht) und feststehenden Kauf-Gewohnheiten (= konstantem Präferenzen-Gefüge) mehr gespart und weniger verbraucht wird; der Grenzhang zum Sparen (= die marginale Sparquote: das Mehr an Sparen bei einer Erhöhung des Einkommens um 1 GE) steigt an.

Siehe Entsparen, Inflation, Sparen, Sparwut, Staatsverschuldung, konsummindernde. Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2007, S. 41 ff. (Konsum und Sparen in Deutschland seit 1991; viele Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2009, S. 76 ff. (Sparquote der Privathaushalte seit 2000; Übersichten), Geschäftsbericht 2009 der Deutschen Bundesbank, S. 19 (Übersicht Sparquote in den USA).
Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Staatsbank(state bank): Jedes Institut im ausschliesslichen oder mehrheitlichen Besitz der öffentlichen Hand, wobei die Zentralbank nicht mitgezählt wird. Siehe Förderbank, Landesbank, Siedlungskredit, Sparkasse, Staat. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Steueroase (tax haven): Gebiete, die wesentlich niedrigere Steuersätze als ihre Nachbarn erheben und dadurch vor allem hohe Einkommensbezieher und Vermögende anlocken. In Deutschland galt vor 1914 die Städte Bonn und Wiesbaden dank niedriger Zuschläge zur Einkommensteuer als Steueroasen. Viele Rentner aus anderen Städten zogen aus diesem Grund dorthin. Ab etwa 2007 auch gesagt von Staaten (wie Luxemburg, Österreich, Lichtenstein oder die Schweiz), die in Steuerstrafsachen mit ausländischen Behörden gar nicht oder nur unzureichend zusammenarbeiten. Auf den G20-Gipfel im April 2009 in London wurde vereinbaret, solche Staaten auf eine schwarze Liste zu setzen und sie damit der internationalen Ächtung preiszugeben. Siehe Helvetophobie. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Stress-Test und Stresstest (stress testing): Allgemein eine Modellrechnung, die darauf ausgerichtet ist, Risiken in einem Portfolio aufzuspüren und zu bewerten. Abgestellt wird dabei auf aussergewöhnliche, aber durchaus vorstellbare Veränderungen im ökonomischem Umfeld gesamthaft sowie in einzelnen Bereichen (Schocks; shocks). Vom Internationalen Währungsfonds unregelmässig durchgeführte Untersuchung des Finanzsystems eines Staates hinsichtlich seiner Widerstandskraft gegenüber (angenommenen, in einem Rechenmodell unterstellten) negativen Entwicklungen im makroökonomischen Umfeld. Die Ergebnisse werden veröffentlicht. Die von Aufsichtsbehörden verfügten oder selbst vorgenommenen Untersuchungen hinsichtlich der Risikotragfähigkeit von Banken und Versicherungsunternehmen.


Gemäss der Solvabilitätsverordnung müssen Institute in der EU für alle wichtigen Risikoarten regelmässige Stress-Tests durchführen. Gelegentlich der zur weltweiten Finanzkrise ausgeuferten Subprime-Krise hat sich gezeigt, dass in den Modellrechnungen der denkbare Verlust viel zu niedrig (in der Regel enthielten die Ansätze einen Verlust in Höhe von einem Quartalsgewinn) angesetzt war, und auch die Möglichkeit unberücksichtigt blieb, dass Angebot und Nachfrage auf dem Finanzmarkt zeitweise weltweit völlig zusammenbrechen kann. Einheitliche Stress-Tests für alle Banken in der EU werden oftmals gefordert; diese dürften aber wegen der Verschiedenartigkeit der Institute und Geschäftsmodelle zu wenig sinnvollen und wohl gar irreführenden Ergebnissen führen.

Trotzdem veröffentlichte das Committee of European Banking Supervisors im Juli 2010 erstmals Ergebnisse von Stress-Tests für 91 Institute, darunter 14 deutsche Adressen. Seit 2005 veröffentlicht die Deutsche Bundesbank im November einen Finanzstabilitätsbericht, der sehr eingehend alle Risikofaktoren des Finanzsystems gesamthaft und im einzelnen darzulegen versucht. Siehe Crash, Dominostein-Effekt, Extremereignis, negatives, Finanzmarktstabilität, Finanzsystem, Hybridbank, Liquiditätskrisenplan, Marktrisiko-Stresstest, Risikotragfähigkeit, Schock, externer, Sensitivitätsanalyse, Vertrauen, Volatilität, Worst Case Szenario.

Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2003, S. 55 ff., Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 24 f., S. 44 (in Bezug auf Versicherungsunternehmen), Monatsbericht der EZB vom Januar 2005, S. 61 (in Bezug auf die Prozyklizität in der EU), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2005, S. 61 ff. (sehr ausführliche Darstellung; Übersichten; Literaturhinweise), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2005, S. 79 ff. (lehrbuchmässige Darstellung; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Februar 2007, S. 90 ff. (Krisen-Simulationstests in der EU), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 94 ff. Stress-Test bei Versicherungen), S. 121 f. (Bedeutung der Tests in Zusammenhang mit Basel-II; Erkenntnisse aus durchgeführten Stress-Tests bei Banken), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 91 f. (unterschiedliche Ergebnisse), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2008, S. 66 ff. (Liquiditätsrisiko-Stresstests), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 56 (Vorschriften für das Liquiditätsrisiko-Management). Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 92 (Tests der Bafin), Monatsbericht der EZB vom August 2010, S. 43ff. (Stress-Test zeigt Kapitallücken auf). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.