Finanzlexikon Buchstabe T

Tafelgeschäft (trade across the window, US: over the counter): Der Verkauf und Ankauf von Devisen, Edelmetallen, Wertpapieren und anderen Vermögensgegenständen durch eine Bank am Bankschalter (auf der Tafel = auf dem Tisch). Von manchen Kunden wegen der Anonymität der Transaktion auch heute noch sehr beliebt; im Zuge der Massnahmen gegen die Geldwäsche in vielen Ländern und in Deutschland insonders, von den Aufsichtsbehörden mit einschränkenden Auflagen (vor allem: Identitätsprüfungspflicht) versehen. Siehe Authentifizierungsgebot, Geldwäsche, Identitätsprüfungspflicht, Konto, anonymes, Konto-Offenlegung, Kontosperre, Konto, ndaten-Informa­tionspflicht, Nominee, Stücke, effektive. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Tagesgeld auch Callgeld und Übernachtgeld sowie Übernachtkredit (day-to-day-money, call money, overnight money): Beträge, die zwischen Banken in grossen Beträgen ausgeliehen werden. Die geldgebende Bank kann den Betrag täglich abrufen; die geldnehmende Bank kann ohne Kündigung jederzeit zurückbezahlen. – Durch die ständigen Fazilitäten der EZB werden im Eurogebiet die Obergrenze und die Untergrenze für den jeweiligen Zinssatz des Tagesgeldes festgelegt. In Krisenlagen kann der Tagesgeldsatz sehr stark ansteigen; im Zuge der Subprime-Krise kostete Tagesgeld Mitte September 2008 auf dem Interbankenmarkt acht Prozent, üblich waren zuvor noch zwei Prozent.

Andere Bezeichnung für das Sitzgeld (Tagungsgeld, Diäten; attendance fee). Siehe Einlage-Fazilität, Geldmarkt-Segmente, Intertageskredit, Spitzenrefinanzierungs-Fazilität, Tageskredit, Zinskorridor. Vgl. die Tagesgeldsätze im Sinne von (vergleichend auch mit anderen Währungsräumen) im Anhang „Statistik des Euro-Währungsgebiets“, Rubrik „Finanzmärkte“, Unterrubrik „Geldmarktsätze“ im jeweiligen Monatsbericht der EZB, Monatsbericht der EZB vom August 2003, S. 48 ff., (Formeln für Tagesgeldsatz), Monatsbericht der EZB vom Februar 2005, S. 73 f., Monatsbericht der EZB vom August 2005, S. 26 ff. (es gibt keine Transmission der Volatilität des Tagesgeldsatzes auf die anderen Zinssätze), Monatsbericht der EZB vom Juli 2006, S. 26 ff. (mathematische Messgrössen für die Volatilität des Tagesgeldsatzes), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2006, S. 25 ff. (Tagesgeldsatz im Vergleich zu anderen Zinssätzen in den USA), Monatsbericht der EZB vom August 2007, S. 28 ff. (Volatilität des Tagesgeldsatzes und die Übertragungswege; viele Übersichten). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Telebanking (so auch im Deutschen gesagt): Die Erledigung von Finanzgeschäften jeder Art über Fernmeldeeinrichtungen (Telephon, Fax) oder Datenverarbeitungsanlagen. Siehe Bank, gemischte, Bankportal, Benutzerfreundlichkeit, Bezahlverfahren, innovative, Direct Brokerage, Direktbank, Homebanking, Internetbank, Metcalfe-Regel, Mobile Banking, Moonlight Banking, Online-Banking, Service Line, Sofa-Banking, Telephon-Banking.
Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Termineinlagen (time deposits, fixed-term deposits, core deposits): Guthaben (Einlagen, Depositen), welche den Banken befristet für einen Zeitraum von mindestens dreissig Tagen und üblicherweise in grösseren Beträgen zur Verfügung gestellt werden. Aufsichtsrechtlich gab es um diese (so auch im Deutschen genannten) Core Deposits im Zuge von Basel-II lange Diskussionen, weil diese nach den Hedge-Accounting-Regeln nicht zur Absicherung längerfristiger Aktivgeschäfte herangezogen werden dürfen. Das International Accounting Standards Board (IASB) verwies zur Begründung dafür auf die Möglichkeit des jederzeitigen Abzugs solcher Einlagen. Die Praxis hält dem die sog. Bodensatz-Theorie entgegen.


Danach haben Core Deposits erfahrungsgemäss eine längere Verweildauer in der Bankbilanz als es ihrer vertraglichen Fälligkeit entspricht. – Die EZB kann im Rahmen der Feinsteuerungs-Operationen über Schnelltender oder über bilaterale Geschäfte jederzeit Termineinlagen der Banken für eine gewisse Zeit zu für die Banken günstigen Bedingungen hereinnehmen. Siehe Bodensatz, Fristentransformation, Hereinnahme, IAS 39. Vgl. die Termineinlagen aufgeschlüsselt nach Einlegern im Anhang „Statistik des Euro-Währungsgebiets“, Rubrik „Monetäre Entwicklungen, Banken und Investmentfonds“ im jeweiligen Monatsbericht der EZB. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Terminzinssatz, impliziter (implicit forward interest rate): Von der EZB laufende berechnete und im Monatsbericht wiedergegebene (Hilfs)Grösse, um die künftige Höhe der Kurzfrist-Zinsen zu schätzen. Vgl. zur Berechnung Monatsbericht der EZB vom Januar 1999, S. 28 f. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Transaktionsbank (transaction bank): Firm, die Back-Office-Geschäfte sowie die im Bank-zu-Bank-Geschäft üblichen Dienstleistungen erbringt. Siehe Auslagerung, Con­tractual Trust Arrangement, Datei-Verwaltung, zentralisierte, Hilfsdienste, bankbezogene, Outsourcing-Risiken, Spin-off. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.