Finanzlexikon Buchstabe V

Valuta (foreign currency; value; value date, availability date): Zahlungsmittel in ausländischer Währung. Wert des Geldes eines Staates bzw. einer Währungsgemeinschaft wie das Eurogebiet in Bezug auf den Wert des Geldes anderer Länder. Bei einer Bank die Wertstellung einer Buchung auf dem Konto eines Kunden (the calendar date on which a movement is posted to a bank customer’s account). Siehe Valutierung. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Valutierung (validation, value date): Bei Banken häufige Bezeichnung für die Wertstellung von Buchungen, also die Festlegung des Datums, ab dem eine Gutschrift oder Belastung erfolgt bzw. die Zinsberechnung beginnt. Siehe Skadenz, Valuta, Wert. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Verbindlichkeit in älteren Dokumenten auch Impegno (liability): Allgemein eine Zahlungsverpflichtung (obligation to pay) einer Wirtschaftseinheit gegenüber einem Dritten. Eine solche liegt des näheren vor, wenn die Verpflichtung zur Zahlung zum gegenwärtigen Zeitpunkt tatsächlich besteht oder innert der Rechnungsperiode eintritt, es nicht im Ermessen des Unternehmens liegt, sich der dadurch ausgelösten Belastung (Abfluss von Geld) zu entziehen und das Ereignis, durch den die Zahlungsverpflichtung begründet wurde, bereits eingetreten ist.

Verbindlichkeiten sind in der Bilanz eines Unternehmens auf der Passivseite ausgewiesen und werden darum auch Passiva genannt. Ihr Gegenstück sind Forderungen. Verbindlichkeiten sind grundsätzlich mit ihrem Erfüllungsbetrag in der Bilanz auszuweisen. Es sind allfällige Abschaffungkosten (Wegschaffungskosten) einzubeziehen, nämlich jener Betrag, der einem Dritten zu zahlen ist, um diesen zur Übernahme der Verbindlichkeit zu bewegen. Siehe Schulden, Zeitwertbilanzierung.

Verbraucherschutzforum (forum for consumer protection): In Bezug auf den Finanzmarkt von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht erstmals im Oktober 2009 ausgerichtete, von rund 200 Fachleuten beschickte Veranstaltung über Regelungen zum Verbraucherschutz im Bereich der Finanzdienstleistungen. Siehe Verbraucherbeschwerden. Vgl. Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 243 (dort ein Druckfehler: 2010 statt 2009!). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk. Siegen.

Verfügbarkeit (availability): Bei einem Institut die Möglichkeit, in gegebenem Rahmen den Kunden zu Geschäften und Informationen bereitzustehen. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk.

Vermögensstatus (statement of assets and liabilities): In der Zahlungsbilanz werden die Forderungen und Verbindlichkeiten eines Landes gegenüber dem Ausland aufgrund von Bestandmeldungen erfasst. Wegen der Globalisierung des Wertpapiergeschäftes ist die Aussagekraft der darin enthaltenen Wertpapiertransaktionen allerdings mit Unsicherheiten behaftet. Da viele der im Ausland abgewickelten Geschäfte nicht gemeldet werden, so dürfte der Inlandsbesitz an ausländischen Wertpapieren (Aktiva) vermutlich zu niedrig ausgewiesen sein.

Auf der anderen Seite jedoch könnte der dem Ausland zugerechnete Besitz an heimischen Wertpapieren (Passiva) insoweit zu hoch angesetzt sein, als sich hinter den Auslandskäufen auch im Ausland plazierte Aufträge von (hoher steuerlicher Belastung bzw. der verfügten Konto-Offenlegung ausweichenden) Inländern verbergen. Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 1994, S. 45 ff., Monatsbericht der EZB vom Februar 2005, S. 77 ff., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2008, S. 33 ff. (Vermögensrechnung, Vermögensbilanz, Berechnung).

Verschuldung (debt, indebtedness): Die Summe der Verbindlichkeiten eines Privathaushalts, eines Unternehmens oder eines Staates. Volkswirtschaftlich betrachtet die Verpflichtungen aus Kreditaufnahmen des Staates, der Unternehmen und der Privathaushalte gesamthaft. Die Verschuldungsquote (auch Verschuldungsgrad genannt) ist für die Geldpolitik von Bedeutung. Die Verbindlichkeiten nur des Staates (so vor allem in Zusammenhang mit dem EUV bzw. dem AEUV gemeint). In der (vierteljährlichen) Finanzierungsrechnung der EZB: Kredite, begebene Schuldverschreibungen und Pensionsrückstellungen nichtfinanzieller Kapitalgesellschaften, die am Ende des Berichtszeitraums zu Marktpreisen bewertet werden.

Der aktuelle Verschuldungsstand im Sinne von ? findet sich unter der Rubrik „Finanzlage der Öffentliche Finanzen“ im Teil „Statistik des Euro-Währungsgebiets“ des jeweiligen Monatsberichts der EZB ausgewiesen. Siehe Ausgabenquote, Deficit-Debt-Adjustment, Modigliani-Miller-Theorem, Nettogläubiger, Verschuldungs-Koeffizient, Verschuldungsquote, Zahltag-Grundregel. Vgl. Monatsbericht der EZB vom Dezember 2001, S. 19 ff., Monatsbericht der EZB vom August 2002, S. 68, Monatsbericht der EZB vom April 2005, S. 75 (wegen der Vergleichbarkeit der Statistiken), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2005, S. 23 ff. (ausführliche Darstellung), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2006, S. 71 ff. (wichtige Darlegungen zur Erfassung der Vermögensposition; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom April 2007, S, 95 ff. (Berechnung des Schuldenstandes; Definitionen, Übersichten), Monatsbericht der EZB vom März 2008, S. 63 (Anstieg der Verschuldung der Privathaushalte). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk.

Verschuldungsgrenze (borrowing limit, debt ceiling): Festlegung eines Limits für den Stand der Verschuldung einer Wirtschaftseinheit allgemein und des Staates im besonderen. Siehe Defizitneigung, Haushalts-Vorabstimmung, europäische, Minhas-Gerais-Problem, Nachhaltigkeit, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Verschuldungsanreiz. Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2009, S. 82 f. (Ansätze zur Begrenzung der Verschuldung beim Bund und den Ländern in Deutschland; Erläuterung der Regelungen; Beurteilung), Monatsbericht Deutschen Bundesbank vom Februar 2010, S. 76 f. (Verschuldungsspielraum in Deutschland bis 2016). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk.

Verschuldungsquote, private (household debt quota): Die Kredite an Privathaushalte im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt, unterteilt nach Wohnungsbaukredite, Privatkredite und sonstige Kredite. Es ist seit etwa 2008 (Nobelpreisträger Paul Krugman) herrschende Meinung in der Nationalökonomik, dass eine Verschuldung der Privathaushalte über kurz oder lang in eine Krise führen wird.

Siehe Langfristkultur, Überschusseinheiten, Sparwut. Vgl. die bezüglichen Zahlen im Anhang „Statistik des Euro-Währungsgebiets“, Rubrik „Monetäre Entwicklungen, Banken und Investmentfonds“, Unterrubrik „Kredite an private Haushalte“ im jeweiligen Monatsbericht der EZB, Jahresbericht 2004 der EZB, S. 39 (Entwicklung und Aufgliederung), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2005, S. 26 (Belastung der Ertragslage deutscher Banken durch steigende Insolvenzen von Privathaushalten), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2005, S. 49 ff. (Übersichten, Analyse der Bestimmungsgründe im Euro-Währungsgebiet), Monatsbericht der EZB vom Juni 2006, S. 54 ff. (Aufgliederung der Abschreibungen für Kredite an Privathaushalte; Übersichten), Jahresbericht 2008 der EZB, S. 57 f. (Verschuldung sinkt, Schuldendienstquote steigt wegen der höheren Zinsen; Übersicht), Monatsbericht der EZB vom September 2010, S. 54 (Verschuldung uns Zinsausgaben der Privathaushalte seit 2000).


Vertraulichkeitsvereinbarung und Geheimhaltungsabkommen (confidentiality agreement, non-disclosure agreement, NDA): Auf dem Finanzmarkt eine vertragliche Abmachung zweier oder mehrerer Markteilnehmer (in der Regel Banken), bestimmte Informationen nicht zu verbreiten (contractual document whereby two or more parties undertake to maintain the confidentiality of certain information). Entsprechende Verträge werden in der Regel auf der höchste Rangstufe (Vorstandsebene; C-suite) abgeschlossen und betreffen meistens gemeinsam geplante Engagements. Siehe Geschäfte, abgesprochene, Handeln, verdeckt gemeinsames, Marktmanipulation.

Verzinsung (interest yield): Wenn nicht ausdrücklich anders definiert, der (Brutto)Ertrag aus einer Geldanlage; die Abgeltung für Leihkapital. Siehe Bonität, Bonitätsklasse, Effektivverzinsung, Konditionen-Spreizung, Minderschätzung künftiger Bedürfnisse, Risikoadjustierung, Schwundgeld, Unfruchtbarkeits-Theorie, Zins(satz), Zinssatz, realer, Zinsverbot, Zinsstruktur. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk.

Verzinsung, antizipative auch vorschüssige (anticipative interest yield): Im vorhinein wird der Zins für die vereinbarte Periode bezahlt. Im Gegensatz dazu wird bei dekursiver (auch: nachschüssiger) Verzinsung (decursive interest yield) die Zahlung des Zinses am Ende der jeweiligen Abrechnungsperiode geleistet. Siehe Annuität, Roll-up. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk.

Verzugszinsen (interest for delay, interest on late payments, default interest): Zinsen, die auf die Zeit vom Fälligkeitstermin einer Position bis zum Tag des Zahlungseingangs in Rechnung gestellt werden, wenn der vereinbarte Zahlungszeitpunkt verabsäumt wurde. Nach § 288 BGB ist eine Geldschuld während des Verzugs zu verzinsen. § 497 BGB enthält wichtige Rechtssätze in Bezug auf die Verzugszinsen bei Konsumentenkrediten. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk.

Volksbank (peopels bank, co-operative credit bank): Genossenschaftliche Kreditinstitute in Deutschland. Die Bezeichnung „Volksbank“ oder eine Bezeichnung, in der das Wort „Volksbank“ enthalten ist, dürfen in Deutschland grundsätzlich nur Kreditinstitute führen, welche in der Rechtsform einer eingetragenen Genossenschaft betrieben werden und einem entsprechenden Prüfungsverband angehören; siehe § 39, Abs. 2 KWG. Siehe Genossenschaftsbanken, Ortsbank, Kreditgenossenschaften, Sparkasse, Verbundinstitute, Verwarnung, Vorschussvereine. Vgl. Jahresbericht 2002 der BaFin, S. 64 f. sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk.