Finanzlexikon Buchstabe W

Währung (currency): Das jeweils geltende gesetzliche Zahlungsmittel eines Landes (CHF) oder eines Wirtschaftsraums (EUR); also die Bezeichnung, der offizielle Name des dort im rechtlichen Sinne durch Begültigung eingeführten Geldes. Die Geldverfassung eines Landes (etwa der Schweiz) oder eines gemeinsamen Wirtschaftsraums, wie sie durch Gesetz verankert ist und durch die Geldpolitik der zuständigen Zentralbank gesichert wird (monetary system).

Das in einem Gebiet tatsächlich genutzte, obgleich gesetzlich nicht eingeführte Zwischentauschmittel, wie etwa die Zigarette zwischen 1945 und 1948 in Deutschland. Bezeichnung der landsüblichen Art (Materie, Stoff, Substanz) des Geldes, also ob Münzen nur Zahlungsmittel sind, ob reines Papiergeld vorherrscht oder beide Arten anzutreffen sind. Siehe Annahmezwang, Berichtswährung, Currency-Theorie, Bargeld, Doppelwährung, Geldrefusion, Geldschleier, Nebenwährung, Papiergeld, reines, Währungsraum, Warengeld, Zahlungsmittel, Zigarettenwährung. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Währungsbank (bank of issue): Ältere Bezeichnung für eine bzw. (wie heute weltweit üblich) die einzige zur Ausgabe von Geld berechtigte Bank. Siehe Notenbank, Zentralbank, Zettelbank. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Währungsrisiko (foreign exchange risk): Allgemein die Gefahren, die von Änderungen des Wechselkurses auf Vermögenswerte ausgehen (risk due to fluctuations in exchange rates that can lead to a loss in value of assets denominated in foreign currencies). Aus der Sicht einer Bank Gefahren, die aus Einlagen und Darlehn in einer einzigen (fremden) Währung entstehen können; besonders auch dann, wenn die Einlagen (Passivseite) vorwiegend in heimischer Währung zu Buche stehen, die Darlehn (Aktivseite) aber grösstenteils in Fremdwährung geleistet wurden. Siehe Matching, Swapsatz, Wechselkurs-Risiko. – Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2006, S. 37 (Konzentration auf eine Währung als Marktrisiko). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Wechselkredit (credit on bills of exchange): Bei der Bank: allgemein die Einräumung eines Darlehns, das durch (Handels)Wechsel gesichert ist. Im Verkehr mit der Zentralbank: das Einreichen von diskontierten Wechseln seitens einer Bank gegen die Bereitstellung von Zentralbankgeld. In Deutschland waren Ende 1989 noch 2,6% der Kredite der Banken an inländische Nichtbanken (Unternehmen, Privathaushalte, öffentliche Stellen; absolut: 2 200,3 Mrd DEM) Wechseldiskontkredite (absolut: 57,9 Mrd DEM). Ende 1998 waren es nur noch knapp 0,6% (absolut: 34,9 Mrd DEM) der Darlehn an inländische Nichtbanken (absolut: 5 990,1 Mrd DEM). Mit anderen Worten: der Wechsel (bill of exchange) als Finanzierungsinstrument spielte beim Eintritt in die Europäische Währungsunion im Jahr 1999 so gut wie keine Rolle mehr. Damit entfiel für eine Diskontpolitik der Zentralbank auch die Grundlage.

Als Gründe für das Verschwinden des Wechsel werden vor allem genannt: Die herkömmlichen Wechselfinanzierer im gewerblichen Bereich waren Einzelhändler sowie Lagerbetriebe, die als Bindeglied zwischen Herstellern und Einzelhandel dienten (Grosshandel). Mit der Konzentration im Einzelhandel (vor allem: Lebensmittel, Bekleidung, Droguerie-Artikel, Baustoffe) verschwanden diese Betriebe weitgehend vom Markt bzw. sie wurden (teilselbständiges) Glied einer Kette (wie Rewe, Edeka); die Finanzierungsfunktion (oft in einem auch den gesamten Finanzverkehr) nahmen Fachabteilungen in den jeweiligen Zentralen in die Hand.

Der Wechsel ist nach § 1 Wechselgesetz (WG) ein Urkunde, also notwendig an Papier gebunden. Das macht ihn im Zeitalter des Internet-Banking unhandlich; das Ausstellen eines Wechsels gilt heute als viel zu umständlich und zeitraubend. Das deutsche Wechselgesetz (WG) zählt 98 Artikel, und die Rechtsprechung (judicature) zum Wechselrecht ist kaum übersehbar. Dies wirkt abschreckend. Bequemer zu handhabende und auf die besonderen Bedürfnisse der Vertragsparteien ausgerichtete Finanzierungswege haben sich herausgebildet. Siehe Akzept, Diskont, Diskontsatz, Geldsurrogate, Notenbankfähigkeit, Ortswechsel, Wechsel. Vgl. Monatsbericht der EZB vom Oktober 2007, S. 93 ff. (Vergleich der Regelungen für Sicherheiten bei der EZB mit USA und Japan; viele Übersichten). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Weltbank (World Bank; offiziell: International Bank for Reconstruction and Development, IBRD): In Jahre 1944 auf der Währungs- und Finanzkonferenz der Vereinten Nationen in Bretton Woods (USA) gegründetes Institut mit dem Ziel, den für die Nachkriegszeit erwarteten erheblichen Bedarf an langfristigen Mitteln für den Wiederaufbau der zerstörten Mitgliedsländer aufzubringen. Im Juni 1946 nahm die Bank ihre Tätigkeit in der nordamerikanischen Bundeshauptstadt Washington ihre Geschäftstätigkeit auf.


Nach dem Wiederaufbau Europas widmete sich die Weltbank in erster Linie der Finanzierung der Entwicklungshilfe. Zwecks dessen begibt die Weltbank Anleihen, die grösstenteils von institutionellen Anlegern und Zentralbanken erworben werden. Aufgrund der impliziten Garantien der Mitgliedsländer geniesst die Weltbank höchstmögliche Bonität (AAA-Rating) auf dem Finanzmarkt. Grundsätzlich sollte es jedoch nicht Aufgabe der Weltbank sein, private Kapitalströme zu ersetzen. Marktverzerrungen und die Verdrängung privater Investoren wären die Folge. Zudem würde das dazu führen, dass wirtschaftspolitisch gebotene Anpassungen unterbleiben (Problem des Moral Hazard). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Wertkarte (electronic purse): Allgemein ein Datenträger aus Kunststoff oder Pappe im Format von etwa 8,5 x 5,4 cm, der Zahlungen vermittelt. Siehe Geld, elektronisches, Geldkarte, Karte, multifunktionale, Kreditkarte, Kreditkartenfiasko, Ticketing, electronic. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.