Finanzlexikon Buchstabe X-Z

Zahlbarstellung (domiciliation): Der Ort, an dem eine Zahlung gemäss Gesetz oder Vertrag zu leisten ist; manchmal auch eingeschlossen die Art und Weise der Zahlung. Siehe Barzahlung, Notadresse, Zahlung, Zahlungsadresse. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Zahlung in älteren Dokumenten auch Realisation (payment): Allgemein die Übereignung von Geld oder ausnahmsweise (besonders in früheren Zeiten sowie in Notzeiten heutigs) eines im gesellschaftlichen Tauschverkehr allgemein anerkannten und gebräuchlichen Handelsgutes (Salz, Zigaretten) zur Erfüllung einer Forderung. Der Empfänger des Geldes oder Tauschguts findet sich dabei durch die Übereignung voll befriedigt und macht gegenüber dem Zahlenden keine weiteren Ansprüche geltend. Siehe Anzahlung, Barzahlung, Bezahlung, Bezahlverfahren, innovative, Bullet Payment, Entgelt, Forderung, Geldzeichen, Glattstellung, M-Payment, Realisierung, Sicht, Storno, Überweisung, Warengeld, Zahlbarstellung, Zahlungshalber, Zigarettenwährung, Zuwendung. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Zahlungen, autonome (autonomous account movements): Bei einer Bank alle Einzahlungen und Auszahlungen, deren Höhe und Zeitpunkt nicht im Einflussbereich des Instituts liegen. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Zahlungsausgleichskonto (settlement account): Bei der EZB ein Konto, das von einem Geschäftspartner zu Zahlungsverkehrszwecken bei der Zentralbank unterhalten wird. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Zahlungsdienste-Aufsichtsgesetz, ZAG (payment services supervision law): Im Oktober 2009 in Kraft getretener Aufsichtsrahmen für Anbieter nationaler und grenzüberschreitender Zahlungsdienste, einschliesslich der Kreditkartenunternehmen. Vgl. Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 105 f. (Einzelheiten zum neuen Gesetz), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 228 (BaFin ruft Erlaubnispflicht in Erinnerung). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Zahlungskarte (payment card): Ein Plastikausweis, der bargeldlose Zahlungen und meistens auch Bargeldabhebungen an Geldausgabeautomaten sowie den Abruf anderer Dienstleistungen ermöglicht. Siehe Geldkarte, Karte. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Zahlungsmittel auch Zahlungsinstrumente (means of payment): Allgemein jeder Gegenstand (wie Muschel, Kakaobohne, Fell, Metallstück, Gutschein), der in einer Gesellschaft im Tauschverkehr als Zwischentauschgut angenommen wird. Das in einem Gebiet (Staat, Wirtschaftsraum) durch Gesetz eingeführte und durch die Zentralbank gesicherte Geld; die Währung. Statistischer Oberbegriff, der nach bei der Deutschen Bundesbank umschliesst Bargeld (Noten und Münzen) Sichteinlagen in heimischer Währung, Sichteinlagen in Fremdwährung und Aufladungswert in E-Geld-Systemen. Nach IAS (7.6) das in einem Unternehmen vorhandene Bargeld und die Sichteinlagen.

Siehe Actus-purus-Grundsatz, Annahmezwang, Bargeld, Begültigung, Free Banking, Geldbasis, Geldmenge, Geldzeichen, Goldwährung, Handschein, Kurantmünze, Mittel, Papiergeld, reines, Parallelwährung, Ungüter, Währung, Warengeld, Zahlung, Zahlungsmitteläquivalente, Zigarettenwährung. Vgl. den Anhang „Statistik des Euro-Währungsgebiets“, Rubrik „Monetäre Entwicklungen, Banken und Investmentfonds“ im jeweiligen Monatsbericht der EZB zum Anteil der Zahlungsmittel im Eurogebiet. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Zahlungsmoral (payment moral): Das Verhalten eines Schuldners gegenüber einem Gläubiger. Dieses hängt ab von dessen objektiven Möglichkeiten, sprich: von seiner wirtschaftlichen Kraft; und weil diese in aller Regel selten vorhersehbar ist, verlangt der Gläubiger eine Sicherheit sowie von dem Willen des Schuldners, seinen Verpflichtungen nachzukommen. Weil aber dieser (trotz vieler, teilweise absonderlicher Vorschläge) kaum zu messen ist, bleibt bei jedem Darlehn ein Risiko; und letztlich zählt allein die Qualität der Sicherheit. Siehe Faustpfandkredit, Fraudulent, Geldeintreibung, Hard Claim, Immobilien-Sicherheiten, Inkassogeschäft, Kinderpfand, Kredithai, Kredit-Punktbewer­tungsverfahren, Kunde, fauler, Leichenpfand, Ziel. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Zahlungssperre (stoppage of payment): Bei abhanden gekommenen Wertpapieren vor dem Aufgebot durch das zuständige Gericht verfügte Massnahme. Die Zahlungssperre bedeutet, dass der Aussteller auf dass Wertpapier nichts leisten darf, wenn er sich nicht der Gefahr der Doppelzahlung (duplicate payment) aussetzen will. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Zahlungssystem (financial interchange system): Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter alle Einrichtungen in einem Land (Währungsraum, Welt gesamthaft), welche der Übertragung von Geld zwischen Wirtschaftseinheiten dienen. Das Zahlungssystem ist ein Kollektivgut. Die Zentralbank hat die Aufgabe, sein Funktionieren zu gewährleisten. Das schliesst ein, dass sie in Krisenlagen soviel an Liquidität bereitstellen muss, um den reibungslosen Zahlungsverkehr zu sichern. Denn wird das Zahlungssystem aus irgend einem Grund gestört, dann wird der Güteraustausch sofort betroffen; und eine solche krisenhafte Lage schlägt erfahrungsgemäss sehr rasch durch vor allem auf die Investitionen und damit auch auf die Beschäftigung, und von da wieder auf die Erwartungen. Siehe Finanzstabilität, Intratageskredit, Quantitative Easing, Zahlung, Zahlungsverkehrssystem. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Zahlungsunfähigkeit auch Illiquidität (insolvency, illiquidity): Nach § 17, Abs. 2 Insolvenzordnung (InsO) ist ein Schuldner dann zahlungsunfähig, wenn er nicht in der Lage ist, die fälligen Zahlungsverpflichtungen zu erfüllen. Zahlungsunfähigkeit ist in der Regel anzunehmen, wenn der Schuldner seine Zahlungen eingestellt hat. Der Zustand der Illiquidität muss auf Dauer angelegt sein. Eine aktuell eingetretene Illiquidität stellt dann keine Zahlungsunfähigkeit dar, wenn in einem absehbaren Zeitraum die Liquiditätskrise überwunden werden kann. Man spricht dann von Zahlungsstockung (backlog of payments) und nicht von Zahlungsunfähigkeit. Siehe Insolvenz, Manifestierung, Notlage, finanzielle, Rekonstruktion, Sanierung, Solvenz, Vulture Fund. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Zahlungsverkehr (payment transactions): Alle Geldbewegungen, sowohl in Form von Bargeld als auch bargeldlose Zahlungen jeder Art, und zwar sowohl im Binnenkreislauf als auch im Verkehr mit dem Ausland. Siehe Abwicklungssysteme, Blankett, Business Continuity Programme, Clearing-Haus, automatisches, Domizilierung, Euroclear, Finalität, Kapitaltransfersystem, elektronisches, Massenzahlungsverkehr, elektronischer, Target, Trade Assignment, Überweisungssystem, Zahlungssystem, Zahlungsverkehrsüberwachung. Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2009, S. 51 ff. (Entwicklung in den letzten 50 Jahren; viele Übersichten). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Zentralbank (central bank): In einem Währungsgebiet gesetzlich errichtete Institution mit dem alleinigen Recht zur Ausgabe von Banknoten (Zahlungsmittelversorgung; in der Regel entfallen um die 60 Prozent der Gesamtkosten einer Zentralbank auf dieses Geschäftsfeld), die gleichzeitig auch Träger der Geldpolitik des entsprechenden Gebietes ist (Zahlungsmittelregulierung; diese Aufgaben verursachen bei der EZB etwa 10 Prozent der Kosten) und die in der Regel auch wissenschaftliche Beratung für Öffentlichkeit allgemein und für die Träger der Wirtschaftspolitik im besonderen leistet; hier hat die Zentralbank den Banken und ihren Verbänden die Objektivität voraus, den Ministerien die politische Neutralität und den wissenschaftlichen Instituten die Marktnähe.


Die Zentralbank steht somit im Mittelpunkt (im Zentrum) des monetären Ablaufgeschehens in einer modernen Tauschwirtschaft. Sie ist folglich ihr weitest reichendes Funktionsglied; denn die Ordnung des gesellschaftlichen (nicht nur des wirtschaftlichen!) Lebens gesamthaft beruht auf der Bewahrung der Masstabeigenschaft des Geldes und auf dem Funktionieren des Zahlungssystems. Siehe Anweisungen, geldpolitische, Aktivismus, zentralbankpolitischer, Banking-Theorie, Falke, Free Banking, Geld, privates, Geldeigentumsrecht, Geldheimat, Geldpolitik, Geldpolitik, vorausschauende, Geldvertrauen, Geldwertstabilität, Inflation, Institution, Nominalwertprinzip, Signalwirkung, Strukturkonservativismus, Währungsbank, Zahlungssystem, Zentralbankgeld, Zinsglättung. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Zentralbank, Europäische, EZB (European Central Bank, ECB): Siehe EZB. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Zentralbank, gemeinsame (common central bank): Eine einzige Zentralbank besorgt die Notenausgabe und die Geldpolitik in mehreren, sich zu diesem Zweck verbundenen Staaten. Dies gilt etwa derzeit (2006) für Äquatorialguinea, Gabun, Kamerun, Kongo, Tschad und die Zentralafrikanische Republik, die als gemeinsame Zentralbank die „Banque des Etats de l’Afrique Centrale“ haben, deren CFA-Franc (Franc de la Coopération Financière en Afrique Centrale; dieser ist an den EUR gebunden) gesetzliches Zahlungsmittel in den beteiligten Ländern ist. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Zins in alten Dokumenten meistens Interessen (nur in der Mehrzahl gebraucht), im Sprachgebrauch heute auch Zinsen (interest [rate]): Ein Prozentsatz (Vonhundertsatz, Quote), der von Leihkapital an den Darlehnsgeber zu entrichten ist, auch Zinssatz und Zinsfuss genannt. Eine Geldsumme, die sich als Zahlung aus einem Darlehnsvertrag herleitet. Zins (neben Geld das am häufigsten benutzte Wort in der Finanzsprache) vom lateinischen census in gleicher Bedeutung, Siehe Aufgeld, Stückzinsen, Verzinsung, Zinssatz. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Zinsabschlagsteuer, ZAST (withholding tax): In Deutschland seit Jahresbeginn 1993 vom Bund erhobene Quellensteuer von derzeit 30 Prozent auf inländische Zinseinkünfte. Sie wird von den Banken einbehalten (an der Quelle der Entstehung; daher auch Quellensteuer genannt) und unmittelbar an das Finanzamt abgeführt. Sie gilt als Steuer-Vorauszahlung und wird auf die Einkommenssteuerschuld des Steuerpflichtigen angerechnet. Ein Freibetrag wird angerechnet. In der Schweiz auch Verrechnungssteuer genannt (weil sie dort mit geschuldeten kantonalen Steuern verrechnet werden kann). Diese Steuer bewirkt vornehmlich, dass sich private Anleger aus Europa den Offshore-Finanzplätzen und Formen des Underground-Banking zuwenden. Siehe Kapitaleinkommen, Kapitalertragsteuer-Absetzbarkeit, Wertpapiere, unkotierte. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Zinsberechnung (interest computation): Banken sind verpflichtet, deutliche Angaben darüber zu machen, zu welchem Zinssatz Guthaben verzinst und Darlehn vergeben werden. Dies gilt auch für Spareinlagen. Vgl. Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 194 (Beschwerden). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Zinsbindung (fixed interst rate): Vertragliche Festschreibung der Zinsen für ein Darlehn für eine bestimmten Zeitraum. Siehe Referenz-Zinssätze, Zinsrisiko. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Zinsertrag (interest yield): Grob die Einnahmen einer Bank aus Kredit- und Geldmarktgeschäften, festverzinslichen Wertpapieren und Schuldbuchforderungen, Aktien und anderen nichtverzinslichen Wertpapieren, Beteiligungen aus Anteilen an verbundenen Unternehmen sowie Erträge aus Gewinngemeinschaften und (Teil)Gewinnabführungsverträgen. Siehe Betriebsergebnis, Geschäfte, zinsabhängige, Zinsüberschuss. Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2007, S. 17 (dort auch genauere Auflistung der Ertragsquellen). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Zwischenfinanzierung (bridgeover finance): Die Gewährung eines Darlehns durch eine Bank bis zur Auszahlung des beantragten langfristigen Kredits, bis zur Einwerbung von Eigenkapital (etwa durch Emission von Aktien oder Aufnahme von Gesellschaftern) oder bis zu einer sicher zu erwartenden Zahlung (wie etwa durch eine Versicherung oder durch eine staatlich verbürgtes Exportgeschäft). Siehe Exportkredit-Garantie. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.