Finanzlexikon Buchstabe D

Darlehn, widerrufenes (revoked loan): Eine Bank ist berechtigt, die Auszahlung eines zugesagtes Darlehn zu verweigern, wenn Umstände bekannt wurden, welche eine Rückzahlung seitens des Darlehnsnehmers als gefährdet erscheinen lassen; siehe § 610 BGB. In den formularmässigen Kreditbedingungen (within standard terms and conditions of credit accomodation) behalten sich Banken dieses Recht auch in der Regel ausdrücklich vor. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Darlehnforderungs-Verkauf (loan factoring): Banken als Darlehnsgeber können nach deutschem Recht grundsätzlich ihre Forderungen verkaufen. Auch aufsichtsrechtlich ist gegen eine Veräusserung der Forderungen nichts einzuwenden. Siehe Kredit, nichtabtretbarer, Verbriefung. Vgl. Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 195 (Beschwerden gegen entsprechende Transaktionen). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Darlehnhaftung, beschränkte (non recourse loan): Ein Kreditnehmer (etwa ein Bauherr) steht nur mit der zweckgebundenen Sicherheit (hier: das Haus) für das Darlehn ein, nicht jedoch darüber hinaus mit seinem Vermögen. Diese in einigen Ländern geltende Beschränkung bietet nachweislich Anreize zur leichtsinnigen Kreditaufnahme. Siehe Besicherung, Subprime-Krise. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Debitkarte (debit card): Beim Bezug von Bargeld (an einem Automaten) wird der abgerufene Betrag sofort dem Konto belastet (pay-now-Prinzip). Im Vergleich zu Kreditkarten sind Debitkarten mit niedrigeren Gebühren für den Karteninhaber und für den Händler verbunden. Siehe Chipkarte, Counterfeit Card, Geld, elektronisches, Geldautomaten-Sperre, Geldkarte, Kreditkarte, Ticketing, elektronisches. – Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2006, S. 94 ff. (Darstellung der elektronischen Bezahlverfahren, Übersichten). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Debitorenlaufzeit (days sales outstanding): Kennzahl, welche das von den Kunden im Durchschnitt in Anspruch genommene Zahlungsziel wiedergibt. Sie errechnet sich genauer aus den Forderungen aus Lieferung und Leistung mal 365 geteilt durch die Erlöse. – Mit der so gewonnenen Messziffer sollte man immer mit einigem Bedacht umgehen. Denn es sind neben anderem vor allem die jeweiligen (branchenüblichen) Zahlungsgewohnheiten zu beachten. Siehe Kreditorenlaufzeit, Working Capital. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Deutsche Bundesbank (German Federal Bank): Als Zentralbank der Bundesrepublik Deutschland seit Beginn der Europäischen Währungsunion 1999 Bestandteil des Europäischen Systems der Zentralbanken (ESZB). Sie wirkt an der Erfüllung seiner Aufgaben mit dem vorrangigen Ziel mit, die Preisstabilität zu gewährleisten, sorgt für die bankmässige Abwicklung des Zahlungsverkehrs im Inland und mit dem Ausland und trägt zur Stabilität der Zahlungs- und Verrechnungssysteme bei. Die Bundesbank unterhält in den Bundesländern derzeit (Jahresanfang 2010) neun Hauptverwaltungen.

In Frankfurt betreibt sie auch ein Volkswirtschaftliches Forschungszentrum, dessen Arbeitsbereich Ökonometrie mit Vorausschätzungen der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland befasst ist. Siehe Bank Deutscher Länder, Internationales Forschungsforum zur Geldpolitik. Vgl. Geschäftsbericht 2003 der Deutschen Bundesbank, S. 171 ff., Geschäftsbericht 2006 der Deutschen Bundesbank, S. 119 f. (Tätigkeit des Forschungszentrums), Geschäftsbericht 2009 der Deutschen Bundesbank, S. 135 f (internationale Vernetzung) sowie den jeweiligen Geschäftsbericht, Abschnitt „Sonstige Aktivitäten“. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.


Devisen (foreign exchanges): Heimisches Geld in den Händen von Gebietsfremden bzw. ausländisches Geld im Besitz von Gebietsansässigen. Devisen können nicht nur in Form von Bargeld (dann banksprachlich: Sorten) bestehen, sondern als Forderungen in Fremdwährung, Guthaben bei ausländischen Banken, Schecks, Überweisungen und Wechseln. Siehe Abschlag, Bardevisen, Denominierung, Devisenmarkt, Zahlungsmitteläquivalente. Vgl. den Anhang „Statistik des Euro-Währungsgebiets“, Rubrik „Monetäre Statistik“, Unterrubrik „Konsolidierter Ausweis des Eurosystems“ im jeweiligen Monatsbericht der EZB zu den Fremwährungs-Forderungen. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Devisenbelastung (burden on the foreign exchange position): Fachausdruck (technical term) aus der Devisenzwangswirtschaft zur Bezeichnung der Höhe aufzuwendender (knapper) Devisen für eine beantragte Einfuhr von Waren oder anderer mit einem Devisenabfluss (foreign exchange expenditure) verbundener Aktivitäten, wie etwa einer Reise ins Devisenausland. Siehe Gegenseitigkeitsgeschäft. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Direktbank (direct bank): Eine Bank, die ausschliesslich auf elektronischem Weg mit dem Kunden in Verbindung tritt. Siehe Automaten-Abhebegebühr, Bank, gemischte, Bankensystem, Bezahlverfahren, innovative, Container-Banking, Direct Brokerage, Internetbank, Finanzinstitut, monetäres, Geldautomaten-Sperre, Institut, Kreditbanken, Markteintrittskosten, Multikanalbank, Online-Banking. – Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 26 (Eintritt auch in den Bereich der klassischen Bankprodukte). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Diskontsatz (discount rate): Der bei der Berechnung des Diskonts für die Zeit von der Einreichung bis zur Fälligkeit des Wechsels geltende Zinssatz. Siehe Akzept, Rediskontieren. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Dollar (dollar): Die Währungsbezeichnung der USA (ISO-Währungscode: USD) und anderer Staaten (wie etwa Australien, Bahrain, Hongkong, Jamaika, Kanada, Namibia oder Taiwan) hat, ebenso wie der Euro, offiziell keine Pluralbezeichnung. Dennoch findet sich sehr häufig auch die Schreibweise „Dollars“ für mehr als eine einzige Währungseinheit. Achtzugeben ist in jedem Fall bei Angeboten auf dem Finanzmarkt, die in der Währungsbezeichnung „Dollar“ ausgeschrieben sind. In vielen Fällen handelt es sich dabei nämlich nicht um den USD, sondern um den höchstens halb so kaufkräftigen BBD (Barbados-Dollar), wenn nicht sogar um den derzeit fast wertlosen GYD (Guayana-Dollar) oder ZWD (Simbabwe-Dollar). Siehe Euro, Finanzgeier, Petrodollar. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Dresdner Bank (Dresdner Bank): Im Januar 2009 von der Commerzbank AG übernommene deutsche Grossbank. Genau 137 Jahre nach ihrer Gründung hatte das Institut seine Existenz im wahrsten Sinne des Wortes verspielt. Alle Rücklagen waren aufgezehrt; die Kernkapitalquote schwand auf den gerade noch zulässigen, aber nicht annähernd ausreichenden Stand von 4 Prozent. Der Alleinaktionär, die Allianz Versicherung AG mit Hauptsitz in München, musste Milliarden EUR in die Bank pumpen. Zu lange liess die Allianz die Investmentbanker der Dresdner Bank gewähren, bis sich immer neue Milliardenverluste türmten.

Auch gilt die Übernahme der Dresdner Bank durch die Allianz als Muster einer missglückten Zusammenführung (failed merger). Statt eines „Allfinanzdienstleisters“ liefen die beiden Teile nebeneinander her. Schliesslich stand der Steuerzahler für den Verkauf der Dresdner Bank an die Commerzbank gerade, indem die nun grösser gewordene Commerzbank mit 18 Mrd Euro gestützt werden musste, nachdem sich bei der Dresdner Bank immer neue, vorher nicht bekannte Milliardenverluste auftürmten (piled up). Siehe Bankenfusionsjahr, deutsches. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.