Finanzlexikon Buchstabe H

Haftungsverbund (loss-sharing agreement): Als aufsichtsrechtlicher Begriff die Gesamtheit aller gruppeninternen Beziehungen in einem Bankkonzern (bank group), die eine über das Beteiligungskapital hinausgehende Verbindlichkeit begründen können. Innert einer Bankengruppe (etwa. Sparkassen) eingerichteter Fonds, der bei allfälligen Schwierigkeiten der Mitglieder in Bezug auf die Liquidität sichernd eintritt.

Eine Vereinbarung zwischen den Teilnehmers eines Überweisungs- oder Verrechnungssystems zur Verteilung eines allfälligen Verlustes. Dieser kann entstehen, wenn ein oder mehrere Teilnehmer ihre Verpflichtungen nicht erfüllen können. Die Vereinbarung legt fest, wie der Verlust gegebenenfalls auf die betreffenden Partner im einzelnen verteilt umgelegt (apportioned) wird. Siehe Abwicklungssysteme, Risikotragfähigkeit. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Haltefrist (lock-up period, prescribed holding period): Allgemein die Auflage, einen Vermögensgegenstand nicht vor einer vertraglich festgelegten Zeit zu verkaufen. Sinn einer solchen einschränkenden Sondervereinbarung ist es, einen unzeitigen Verkaufdruck (inopportune selling pressure) zu verhindern. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Haushaltsvermögen (household net worth): Die statistisch erfassten Vermögenswerte im Besitz von Privathaushalten. Es besteht eine sehr deutliche umgekehrte Abhängigkeit dieser Grösse mit der Sparquote der Verbraucher. Das Haushaltsvermögen wird daher von der Zentralbank laufend beobachtet. Vgl. Monatsbericht der EZB vom Dezember 2009, S.76 ff. (Bestimmungsgründe des Sparverhaltens der Privathaushalte). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Hedge-Geschäft (hedging transaction): Gegen- oder Deckungsgeschäft zu einer bestehenden oder entstehenden risikobehafteten Position; auch Sicherungsgeschäft genannt. Risikoausgleich (risk compensation) erreicht man durch Eingehen eines gleichartigen, aber entgegengesetzt wirkenden Risikos wie in der abzusichernden Position. Das Termingeschäft ist der klassische Fall des Hedge-Geschäftes.

Hedge-Geschäfte werden von den Aufsichtsbehörden in den letzten Jahren verstärkt überwacht und hinsichtlich der Rechnungslegung mit Vorschriften versehen. Siehe Absicherung, Fair Value Hedge, Rohstoff-Terminvertrag, Terminkontrakt. Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2004, S. 79, Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 182 f. (aufsichtsrechtliche Fragen), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 211 (internationale Bemühungen um strengere Regulierung) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel „Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft“. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Herstatt-Pleite (Herstatt collapse): Die Insolvenz der damals hoch angesehenen Kölner Privatbank Iwan D. Herstatt in Köln im Juni 1974; sie galt als eine erste Adresse auf dem Finanzmarkt. Mit rund 1,2 Mia DEM Schulden aus gewagten Devisenspekulationen wurde die Bank von der Aufsichtsbehörde geschlossen. Zahlreiche private Einleger verloren ihr Vermögen und wurden zum Teil selbst in den Konkurs getrieben. Auch öffentliche Einleger waren geschädigt, wie etwa die Stadt Köln, die Stadt Bonn und das Erzbistum Köln.

Die Insolvenz hatte eine nachhaltige Signalwirkung und war der Anlass, die Einlagensicherung in Deutschland gesetzlich vorzuschreiben. Siehe Adressenausfall-Risiko, Anlegerschutz, Feuerwehrfonds, Reithinger-Masche, Sicherungspflicht, Spekulation, Überlauf-System. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Hochfinanz (high finance): Wirtschafter (Banken, Unternehmen, Fonds), die im Finanzmarkt mit beträchtlichen Summen und in der Regel mit hohem Risiko tätig sind. Schimpfwort ohne genau Abgrenzung; meistens bezogen auf Personen, Unternehmen (insbesondere auf Banken) und Institutionen, welche das marktwirtschaftliche System tragen. Dazu wird oft noch unterstellt, dass sich diese abgesprochen hätten, um anderen Menschen oder gar der Welt gesamthaft zu schaden.

Dieser, von Schwachköpfigen, Nationalisten und Marxisten (in vielen Blogs und Internet-Foren) ersonnenen Verschwörungsgruppe werden dann jeweils ganz unterschiedliche Einheiten, wie zum Beispiel „die“ Juden, „die“ Freimaurer, der Papst oder die ganze Schweiz im einzelnen oder gesamthaft beigezählt. Siehe Bankokratie, Finanzkapital, Handelskapital, Geldleute, Gnomen von Zürich, Helvetophobie. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Homebanking auch Telebanking (home banking, direct banking, telebanking): Abwicklung von Bankgeschäften mittels elektronischen Zugangs des Kunden. Dem Homebanking werden durch den Übergang von der „Generation Wählscheibe“ (Fernsprechteilnehmer, die ihren Zeigefinger noch in Zahlenkreise steckten) zur computergewohnten Generation@ von manchen Experten hohe Zuwächse vorausgesagt. Andere bestreiten dies mit Verweis auf die bisherige, gesamthaft gesehen doch eher bescheidene Entwicklung sowie auch auf die Sicherheits-Risiken beim elektronischen Verkehr mit der Bank.

Siehe Automaten-Abhebegebühr, Bank, gemischte, Bezahlverfahren, innovative, Direct Brokerage, E-Zahlung, Filialsystem, Holzhammerangriff, Internetbank, Metcalfe-Regel, Online-Banking, Remote Banking, Sofa-Banking. Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2006, S: 24 f. (Ertragslage der Internetbanken seit 2000), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2009, S. 62 ff. (Entwicklung einzelner Verfahren des Mobile-Banking; Literaturhinweise). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Hybridbank (hybrid bank): Wenn nicht anders definiert ein Institut, das sich sowohl dem Privatkundengeschäft widmet als auch als Darlehnsgeber für Unternehmen tätig ist. Die Bezeichnung wird häufig in Zusammenhang mit Stress-Tests gebraucht; denn der Kapitalbedarf einer Bank hängt wesentlich vom Gewicht ab, das das Institut auf dem jeweiligen Marktsegment innehat. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Hypothekenbank auch Realkreditinstitut (mortgage bank): Ein Institut, dessen Haupttätigkeit darin besteht, Grundstücke zu beleihen (Aktivgeschäft) und die auf diese Weise erworbenen Forderungen als Schuldverschreibungen (Hypothekenpfandbriefe) wieder auszugeben (Passivgeschäft). Die Bezeichnung Hypothekenbank leitet sich aus dem Hypothekenbankgesetz (Reichsgesetz über das Faustpfandrecht für Pfandbücher und ähnliche Schuldverschreibungen, Hypothekenbankgesetz von 1878) her, das im Jahr 2005 in Deutschland durch das Pfandbriefgesetz angelöst wurde.


Bei diesen Instituten muss aufsichtsrechtlich sichergestellt sein, dass auch im Falle der Insolvenz die fristgerechten Zins- und Tilgungsleistungen gewährleistet bleiben. Siehe Bodenkreditinstitut, Deckungsprüfung, Erstraten-Verzugsklausel, Pfandbrief, Rückfluss-Stücke. Vgl. Jahresbericht 2003 wann BaFin, S. 82 f. (bezügliche Novelle des Hypothekenbankgesetzes) sowie S. 97 f. (Deckungsprüfungen), Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 119 f. (Anwendung der Hypothekenpfandbrief-Barwertverordnung) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Monatsbericht der EZB vom August 2009, S. 18 ff. (rechtliche Unterschiede zwischen den Hypothekenmärkten im Eurogebiet und den USA).
Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.